Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Landwirt, der Weizen anbaut. Jedes Jahr ist Ihre größte Sorge, dass Sie einen ordentlichen Preis für Ihr Getreide erzielen. Gelingt das nicht, weil im Herbst zu viele Bauern zu viel Weizen ernten, war Ihre ganze Mühe umsonst. Nun aber ruft Sie im Juni der Manager eines Fonds an, der die Ersparnisse von Pensionären verwaltet, und bietet an, die ganze Ernte sofort zu kaufen. Der Preis würde jetzt ausgehandelt, also lange bevor Sie wissen, wie viel Sie ernten. Ist das Preisangebot des Spekulanten in Ordnung, willigen Sie ein, weil Sie alle Sorgen bis zum Herbst los sind.

Im Herbst allerdings kommt die Stunde der Wahrheit: Ist der Preis für Weizen dann niedriger als der, den der Spekulant gezahlt hat, ist die Sache in bester Ordnung. Was aber, wenn der Weizen im Preis wesentlich höher liegt? Dann hat der Spekulant gewonnen, und Sie ärgern sich. Allerdings mag der Gedanke trösten, dass Sie ruhiger schlafen konnten.

So weit, so gut. Ein risikofreudiger Spekulant hat einem weniger risikofreudigen Landwirt ein paar ruhige Monate beschert und dabei gewonnen. Der Dritte im Bunde, der Konsument des Weizens, hat bisher mit der Sache nichts zu tun gehabt. Ihm ist es gleich, wer am Ende der Glückliche war und mehr an dem von ihm bezahlten Weizen verdient. Er vermutet, dass der Preis im Herbst nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage zustande gekommen ist: die Menge des geernteten Weizens steht gegen die Nachfrage der Verbraucher.

Ganz so ist es aber nicht. Was passiert, wenn unmittelbar nach dem ersten Spekulanten ein zweiter beim Landwirt anruft? Er will ebenfalls den Weizen-Deal und treibt damit den Preis in die Höhe. Die Nachfrage nach einem Gut, das es noch gar nicht gibt, ist gestiegen und damit dessen Preis. Stark steigende Preise locken weitere Spekulanten an. Daraufhin werden große Konsumenten nervös. Bäckereiketten zum Beispiel, die diese Zukunftsmärkte verfolgen, fangen selber das Spekulieren an und kaufen, wo immer sie zum Zuge kommen, schon heute ihren Bedarf für den Herbst ein. Sie fürchten ja, dass der Preis noch weiter steigt.

Weil auf diesem Wege die Kosten der Bäckereien tatsächlich steigen, erhöhen sie schon jetzt die Preise für Brot und Brötchen. Dem Verbraucher bleibt kaum eine Gegenwehr, wenn die wichtigsten Brötchenanbieter sich alle ähnlich verhalten. Der Verbraucher zahlt dann die Rechnung, die von den Spekulanten massiv in die Höhe getrieben worden ist, wobei in diesem Fall auch die ärmsten Menschen der Erde zu diesen Verbrauchern zählen.

Irgendwann, sagen da die Ökonomen, muss die Spekulation aber doch zusammenbrechen, wenn sie sich zu weit von den realen Gegebenheiten der Märkte entfernt hat. Irgendwann muss der Weizen zum Markt gefahren werden und dort von Nachfragern abgeholt werden. Wenn dann wegen der schon hohen Preise eine große Menge Weizen auf dem Lager bleibt, muss der Preis schließlich fallen, ganz gleich, was vorher vereinbart wurde. Das stimmt, irgendwann wird es so sein. Bis dahin aber vergeht, anders als in den Lehrbüchern der Ökonomen, wirkliche Zeit. Und in dieser Zeit können Menschen in armen Ländern verhungert sein, weil einige Fonds oder Banken versucht haben, Traumrenditen zu erzielen.

Das alles ist nicht neu. Neu ist indes die Menge des nach Anlagen suchenden Kapitals. Aus immer mehr Pensionsfonds strömt immer mehr Geld zu den Finanzjongleuren. Zusätzlich zu diesem Kapital leihen sich die Spekulanten Geld bei den Banken, um es in die Rohstoffspekulation zu stecken.