Der Fußballtraum lässt sich zum Glück immer weiter träumen. Nun muss Ballack seinen (unseren!) Titel eben bei der nächsten WM gewinnen! Aber was machen wir bis 2010, welche Vision hält uns am Leben? Wer keine Antwort parat hat, darf jetzt auf die Junge Akademie hoffen. Diese "Jugendabteilung" zweier Wissenschaftsakademien lobte nämlich im vergangenen Jahr öffentlich die Preisfrage aus: Wovon träumen wir?

Nun liegen 180 Beiträge vor, am Wochenende werden Sieger gekürt, und wir erhalten einen Einblick ins deutsche Seelenleben. Wie sieht es darin aus? Eher kleinmütig. Große Visionen, gesellschaftsverändernde Utopien sucht man vergeblich. Stattdessen ist viel von persönlicher Befindlichkeit die Rede, man träumt von zärtlichen Berührungen, einem eigenen Kind, vom Wellensittich oder davon, endlich die schöne Unbekannte in der U-Bahn anzusprechen. Gerne bricht man Träume auch ironisch, zitiert Werbeslogans (i nspired by your dreams ) oder Ernst Bloch ("Man kann auch nur davon träumen, eine Wurst mehr zu haben") und kommt dann immerhin zu der Erkenntnis, dass "beide, Traum und Wurst, zeigen, dass wir nicht so fest in unsere Haut eingeschlossen sind, wie es uns lieb sein mag".

Und die jungen Forscher, wovon träumen sie? Das erfährt man von der Nachwuchsakademie leider nicht. Man habe mit dem Wettbewerb nur zum Nachdenken anregen wollen, heißt es zaghaft in Berlin. Wenigstens hat man die eingesandten Träume ordentlich in einem Katalog abgeheftet. Ob der uns bis 2010 trägt? Ulrich Schnabel