Die Zeit: Herr White, die Inflation steigt auf der ganzen Welt. Was ist los?

William White: Die Weltwirtschaft überhitzt sich. Die steigende Teuerung zeigt uns an, dass wir an unsere Grenzen stoßen. Vor allem in den Schwellenländern ist die Lage dramatisch.

Zeit: Wie ist das zu verstehen?

White: In den vergangenen Jahren wurden die weltweiten Produktionskapazitäten enorm ausgeweitet. In den Schwellenländern sind Millionen in den Arbeitsmarkt geströmt, es gab technischen Forschritt. Aber die gesamtwirtschaftliche Nachfrage hat noch stärker zugenommen als das Angebot, und deshalb erreichen wir jetzt Kapazitätsgrenzen.

Zeit: Hat die Welt es übertrieben?

White: Ich glaube, dass wir in den kommenden Jahren erheblich niedrigere Wachstumsraten erleben werden als bisher. In gewisser Weise könnte man sagen, dass das Spiel aus ist. Und der Übergang könnte äußerst turbulent werden. Unsere Art, zu leben und zu wirtschaften, war exzessiv, es konnte nicht ewig so weitergehen. Und was nicht ewig weitergehen kann, endet irgendwann einmal – auch wenn es lange dauern kann, bis dieser Zeitpunkt erreicht ist. Denn Boomphasen haben die Tendenz, sich selbst zu verstärken, wenn die Maschine erst einmal läuft, dann läuft sie. Das liegt auch daran, dass unser System, unsere Regeln die jeweilige Bewegung noch verstärken.

Zeit: Wie konnte es dazu kommen?