DIE ZEIT: Frau Bock, die neue Innenministerin Maria Fekter will die 16-jährige Schülerin Arigona Zogaj und ihre Mutter vorläufig doch nicht in das Kosovo abschieben lassen. Durch diesen Fall haben anonyme Asylbewerber ein Gesicht bekommen. Nehmen die Österreicher Asylpolitik nun anders wahr?

Ute Bock: Es ist zwar furchtbar, dass ihre Geschichte in den Medien so breitgetreten wurde, aber tatsächlich müsste jeder einzelne Fall dermaßen öffentlich gemacht werden. Nur so kann man den Leuten zeigen, was sich in der österreichischen Asylpolitik tatsächlich abspielt. Doch ganz egal, wie dieser Fall ausgeht: Die Familie Zogaj ist kaputtgegangen – das haben wir geschafft.

ZEIT: Erst ein medizinisches Gutachten über den schlechten psychischen Zustand der Mutter konnte den beiden Frauen den Aufenthalt vorläufig sichern.

Bock: Es ist wieder nur ein Zittern, wie es weitergeht. Die Tochter muss jetzt hoffen, dass die Mutter möglichst lange krank bleibt, damit beide nicht abgeschoben werden. Das ist doch absurd! Wenn ich dauernd solche Ausnahmefälle schaffen muss, damit jemand legal im Land bleiben kann, hat das Gesetz einen Haken. Fest steht: Dieses Fremdenrecht muss geändert werden. Aber für den Fall Arigona ist das zu spät, da muss jetzt etwas getan werden. Sonst endet nicht nur die Mutter in der Psychiatrie, sondern bald auch die Tochter.

ZEIT: Was müsste denn getan werden?

Bock: Es muss zu einer endgültigen Lösung kommen. Man sollte sagen: Das ist zwar völlig gegen das Gesetz, aber jetzt ist es genug – sie bleiben da, und wir reden nicht mehr darüber! Aber das sagt keiner. Der Durchschnittsbürger denkt anders über Asylpolitik. Da brauchen Sie nur einen Blick in die Leserbriefe der Boulevardzeitungen zu werfen. Die meisten Österreicher glauben, dass alle Asylbewerber bis auf die Knochen kriminell sind, nicht arbeiten wollen und auf Kosten des österreichischen Steuerzahlers leben. Dass sie aber gar nicht arbeiten dürfen und die finanzielle Unterstützung sehr gering ist, will niemand glauben.

ZEIT: Sie selbst wurden immer wieder von Boulevardblättern angegriffen. Unter anderem hat man Ihnen vorgeworfen, Asylbewerbern "Luxuswohnungen" zu besorgen, als Ihr Verein "Flüchtlingsprojekt Ute Bock" von der Stadt Wien 26 Wohnungen zur Verfügung gestellt bekam – und das in einer Wohnanlage mit einem Schwimmbecken auf dem Dach.