DIE ZEIT: Frau Hurst, das Berliner Madame Tussauds ist der siebte Ableger des Londoner Kabinetts. In einer Zeit, in der Prominente allgegenwärtig sind – begeistern sich die Menschen da wirklich noch für ihre Ebenbilder in Wachs?

PAULA HURST: Offenbar ja. Viele Besucher legen den Figuren einen Arm um die Schultern. Und die Frauen hinterlassen überall Lippenstift. George Clooney wird ständig geküsst. Auch Justin Timberlake wird gerne angefasst. In unserer Londoner Ausstellung trug er zunächst einen weißen Anzug. Der blieb keine fünf Minuten sauber. Jetzt trägt er Silber. Da sieht man das nicht so.

ZEIT: Nun stellen Sie ja nicht nur Publikumslieblinge aus, sondern auch Mörder und Diktatoren. Reagieren die Leute da ähnlich emotional?

HURST: Es kam wohl schon mal vor, dass Figuren bespuckt wurden. Ganz schlimm aber erging es einem Star, der eigentlich sehr beliebt ist: dem Fußballer David Beckham. Wir hatten im Londoner Madame Tussauds eine Weihnachtskrippe aufgebaut, mit den Beckhams als Maria und Josef und Kylie Minogue als Engel. Da gab es Aufschreie der Entrüstung. Und irgendwann ist jemand zur Beckham-Figur gestürmt und hat den Kopf auf den Boden geschleudert.

ZEIT: Das könnte auch einer Figur in Berlin widerfahren: Viele Deutsche sind empört, dass Sie einen Wachs-Hitler ausstellen wollen. Haben Sie die Brisanz des Themas unterschätzt?

HURST: So heftige Reaktionen hatten wir nicht erwartet. Hitler wird von uns nicht verklärt. Man sieht ihn als gebrochenen Mann, an seinen letzten Tagen im Bunker. Es wird auch nicht erlaubt sein, Andenkenfotos zu schießen.

ZEIT: Wählen Sie nicht ganz bewusst Figuren aus, die starke Gefühle auslösen – sei es nun Freude oder Abscheu?