Schließlich bückte sich Robert und hob eine der Münzen auf, die am Rande des Haufens auf dem Karrenweg lagen, und betrachtete sie. Er schaute sich beide Seiten an. Dann sagte er mit einer leisen, veränderten Stimme: »Das sind keine Sovereigns.« (»Sovereign« ist die Bezeichnung einer englischen Goldmünze, mit der in England am Anfang des 20. Jahrhunderts noch bezahlt werden konnte. Der Sandelf hat den Kindern nun aber goldene Guineas beschert, die in den Läden zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr angenommen wurden.)

»Es ist aber immerhin Gold«, tröstete Cyril. Und dann begannen alle auf einmal zu sprechen. Sie griffen mit vollen Händen in den Goldschatz hinein und ließen die Münzen wie Wasser durch die Finger rinnen, und das leise Klingeln und Klirren, das die Goldstücke beim Fallen verursachten, klang ihnen wie wundervolle Musik. Zuerst dachten sie überhaupt nicht daran, wie sie das Geld ausgeben wollten, denn es machte einfach Spaß, damit zu spielen. Schließlich aber sagte Cyril: »Wenn wir von dem Geld etwas haben wollen, dann hat es keinen Sinn, die ganze Zeit mit offenem Mund hier rumzustehen. Lasst uns lieber die Taschen vollstopfen und einkaufen gehen. Und denkt daran, es hält nur bis zum Sonnenuntergang. Ich wünschte, wir hätten das Psammy gefragt, warum nichts mehr versteinert. Aber vielleicht wird doch was zu Stein. – Passt mal auf: Im Dorf gibt es ein Pony-Gespann.«

»Willst du das kaufen?«, erkundigte sich Jane. »Nein, wir werden es mieten. Und dann fahren wir nach Rochester und kaufen lauter Sachen. So, und jetzt stecken wir so viel ein, wie wir tragen können. Aber es sind keine Sovereigns. Auf der einen Seite ist ein Männergesicht und auf der anderen Seite etwas, das wie ein Herz aussieht. Stopft euch die Taschen voll, und dann los.« Cyril hockte sich nieder und begann, sich die Taschen zu füllen. »Ihr habt über mich gelacht, weil Vater mir neun Taschen in meine Jacke hat machen lassen«, sagte er, »aber nun seht mal her!«

Sie hatten wirklich etwas zu sehen, denn nachdem sich Cyril seine neun Jackentaschen und außerdem den Platz zwischen seiner Brust und dem Vorderteil seines Hemdes mit Goldmünzen vollgefüllt hatte, wollte er aufstehen. Er taumelte jedoch und musste sich wieder hinsetzen. »Wirf ein bisschen Ladung wieder über Bord«, riet ihm Robert, »sonst geht das Schiff unter, alter Knabe. Das hast du nun von deinen neun Taschen.«

Cyril blieb nichts anderes übrig, als Roberts Rat zu folgen. Dann brachen sie auf, um ins Dorf hinunterzugehen, das etwa zwei Kilometer entfernt lag. Die Straße war staubig, und die Sonne brannte immer heißer. Das Gold in ihren Taschen wurde schwerer und schwerer. Schließlich sagte Jane: »Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie wir so viel Geld ausgeben wollen. Wir müssen ja alle zusammen weit über tausend Pfund in unseren Taschen haben. Ich lasse etwas von meinem Gold hier hinter dem Baumstumpf in der Hecke liegen. Und wenn wir ins Dorf kommen, kaufen wir uns sofort ein paar Kekse. Ich weiß ganz genau, dass es weit über Mittag ist.« Sie nahm ein oder zwei Handvoll Goldmünzen aus den Schürzentaschen und versteckte sie in den Astlöchern eines alten Weißdorns. »Wie rund und gelb sie aussehen«, sagte sie nachdenklich. »Ich wünschte, es wären Ingwerkekse und wir könnten sie essen. Ihr nicht?«

»Was soll’s? Es sind nun einmal keine, und deshalb können wir sie auch nicht essen«, sagte Cyril. »Los jetzt!« Aber sie waren erschöpft und kamen nur mühsam vorwärts. Ehe sie das Dorf erreicht hatten, war mehr als ein Baumstumpf in der Hecke zum Hüter eines verborgenen Schatzes geworden. Sie kamen aber immerhin noch mit 1200 Guineas in den Taschen im Dorf an. Trotz dieses Reichtums wirkten sie jedoch ganz alltäglich, und keiner hätte ihrem äußeren Erscheinungsbild nach mehr als eine halbe Krone in jeder ihrer Taschen vermutet. Der heiße Sommerdunst und der blaue Holzrauch mischten sich zu einem zarten Nebel, der über den roten Dächern des Dorfes schwebte.

Die vier ließen sich erschöpft auf der ersten Bank nieder, an der sie vorüberkamen. Sie stand zufällig vor dem Gasthaus Zum blauen Wildschwein. Sie hatten entschieden, dass Cyril in das Blaue Wildschwein hineingehen und erkunden sollte, ob es dort Ingwerkekse gab. Denn Anthea hatte gesagt: »Es ist nicht unpassend, wenn Männer in Gasthäuser gehen, nur für Kinder ist es verboten. Und Cyril ist fast ein Mann, denn er ist der Älteste.« Deshalb ging er hinein, und die anderen saßen in der Sonne und warteten.