Stromerzeuger schlagen Autobauer – jedenfalls in der Disziplin, die Vorteile der elektrischen Mobilität anzupreisen. »Strom kann die Welt retten helfen«, hieß es neulich sogar im Branchenfachblatt Netzpraxis . »Dankbare Kunden, eine friedlichere Welt, und mit jeder Ölpreiserhöhung mehr Sympathie der Politik und der Autofahrer für die Stromwirtschaft«, lautete die Begründung.

Tatsächlich ist es weit mehr als der Imagegewinn , was die Konzerne lockt. Zwar müssen E-Autos keineswegs zwangsläufig mit Atomenergie betankt werden; doch Greenpeace & Co. fiele es zweifellos schwerer, die nukleare Stromerzeugung zu verteufeln, zählten die Autofahrer zur Kundschaft der Meilerbetreiber.

Doch unabhängig von der Zukunft der Kernenergie: Elektromobile, kämen sie tatsächlich massenhaft unter die Leute, hätten das Zeug dafür, die Stromversorgung regelrecht zu revolutionieren – und zu rationalisieren.

Der Grund dafür ist technischer Natur. Insbesondere seit, staatlich forciert, regenerativ erzeugter Strom vermehrt in ihr Netz kommt, bereitet es der Branche Schwierigkeiten, Stromangebot und -nachfrage in Übereinstimmung zu bringen. Speicher, die sich nach Bedarf füllen und wieder leeren lassen, sind rar. Der Regelung dienen im Wesentlichen hoch gelegene Stauseen, in die mit Hilfe überschüssiger Elektrizität Wasser gepumpt wird, das bei Bedarf binnen weniger Minuten wieder in Strom umgewandelt werden kann. Doch je mehr unstet erzeugter Windstrom ins Netz kommt, desto weniger reicht diese Regelenergie aus. Die Stromwirtschaft sucht deshalb fieberhaft nach neuen Stromspeichern – und hofft, sie in den Auto-Akkus gefunden zu haben.

Die Idee dahinter: Wenn viel Strom im Netz, die Nachfrage aber gering ist, sollen Elektroautos Strom tanken; der Tarif dafür kann dann günstig sein. Fehlt Strom, sollen dagegen die Elektronen in umgekehrter Richtung fließen, vom Akku ins Netz. Vehicle to Grid (V2G) heißt dieses Umfunktionieren des Autos zu einem kleinen Stromspender. Millionen davon, intelligent vernetzt, bildeten ein virtuelles Kraftwerk .

Utopie? Stromkabel, die Infrastruktur für die Elektromobilität gibt es nahezu überall. Die elektronische Vernetzung und Steuerung der Auto-Akkus mittels moderner Kommunikationstechnik gelten als lösbare Herausforderung. Und die Besitzer zukünftiger E-Mobile zu animieren, im Takt mit den Netzanforderungen Strom nachzufragen oder abzugeben, sollte mit Hilfe attraktiver Tarife kein Problem sein.

»Das Elektro-Auto könnte auf diese Weise sogar Geld verdienen«, behauptet RWE-Chef Jürgen Großmann. vo