Neues in Sachen Arbeit: Der Boom am Arbeitsmarkt geht erst einmal weiter. Das sagen die Zahlen vom Juni, nachdem es im Mai schon nach dem Ende des Jobwunders ausgesehen hatte.

Neues auch in Sachen Arbeitspolitik: Dieses Mal ist es die SPD, die sich innerhalb der Großen Koalition als Wohltäter etablieren will. Ihre neueste Zielgruppe sind die Frührentner, für die sie die Altersteilzeit aufrechterhalten möchte. Eigentlich läuft die umstrittene Regelung im kommenden Jahr aus. Die Sozialdemokraten wollen sie nun aber bis zum Jahr 2015 verlängern.

Es gibt viel gegen die Altersteilzeit-Subvention zu sagen. Sie unterstützt Arbeitnehmer dabei, im Alter von etwa 60 Jahren auszuscheiden – und das, obwohl allen klar ist, dass die Deutschen länger arbeiten müssen. Außerdem hilft die Subvention nur selten den schlecht bezahlten Arbeitern, die nach vierzig Jahren Schufterei nicht mehr können, aber oft gut bezahlten Büroangestellten aus der Mittelschicht. Vor allem aber schafft die Altersteilzeit keine Arbeit, sondern kostet welche.

Zwei Nachrichten, und schon haben wir das politische Problem beieinander. Berlin tut so, als halte der Arbeitsplatzboom ewig an. Das wird aber nicht so sein. So wie sich die Konjunktur derzeit entwickelt, wird es auch am deutschen Arbeitsmarkt bald wieder eng werden. Und in dieser Situation soll die Regierung erneut jobschädliche Zuckerstücke verteilen.

Die Christdemokraten haben bereits dafür gesorgt, dass älteren Arbeitslosen länger das auskömmliche Arbeitslosengeld I ausgezahlt wird, sodass sie weniger Anreize haben, einen Job anzustreben. Die Regierung hat außerdem eine Vielzahl von Sonderprogrammen für bestimmte Gruppen von Arbeitslosen entwickelt, obwohl man doch weiß, dass solche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen keine Brücken zum Arbeitsmarkt sind, sondern Abstellgleise. Zudem hat die Regierung einzelne Branchen mit erstaunlich hohen Mindestlöhnen gesegnet, die den Jobaufbau behindern, und das bloß, weil sie sich auf keine einheitliche Regelung für die gesamte Volkswirtschaft einigen kann. Und nun als Neuestes der Kampf für die Altersteilzeit.

Wenn es so läuft wie bisher, dann wird sich auch hier der Wohltäter innerhalb der Großen Koalition durchsetzen. Denn keine Seite will Bürgern etwas abschlagen, was die andere fordert. Es gilt das Motto "Wer nicht umfällt, hat verloren".

Unter dem Strich: Weil es am Arbeitsmarkt so gut läuft, hat Berlin ihn aus den Augen verloren, hat sich gewöhnt an die monatliche Fortschrittsmeldung aus Nürnberg. Doch Jobs regnen nicht dauerhaft vom Himmel. Uwe Jean Heuser