Wie man sieht, ist das Europa der Kaufleute (Rom) und das Europa der Verwaltungen (Maastricht) nun wohl endlich gestrandet. Die aufgeweckten Iren haben einer Sache, die schon seit Jahren niemanden mehr überzeugt, den Todesstoß versetzt. Man hat zur rechten Zeit versäumt, das Europa der Bürger einzurichten, und war sogar noch stolz darauf. Nun müssen unsere schlauen Obervortänzer mit dem Scherbengericht vorliebnehmen…

Jürgen Böck, Wasserburg (Bodensee)

Danke Irland! Will die ZEIT uns wirklich glauben machen, die irischen Wählerinnen und Wähler hätten durch ihr Votum zum Ausdruck gebracht, dass sie gern isoliert sein möchten? Vielleicht fordern sie vielmehr etwas ein, das auch den vielen Europäern zusteht, die (wie wir) nicht gefragt werden oder deren Votum (wie in Frankreich und in den Niederlanden) übergangen wird: Demokratie und Frieden. Während beispielsweise unser vorbildliches Grundgesetz einen Angriffskrieg verbietet (Art. 26 GG), sollen wir uns künftig einer gemeinsamen "Sicherheits"- und Außenpolitik Europas unterordnen, die noch nicht einmal die Charta der Vereinten Nationen vorbehaltlos anerkennt (siehe zum Beispiel bei Wikipedia: "Vertrag von Lissabon"). Herr Roß führt "Briten und Polen" gegen "Kleineuropas kontinentale Sozialkatholiken" ins Feld, bleibt uns aber die Antwort schuldig, was er an deren Regierungen so vorbildlich findet: Ist es die Teilnahme am Irakkrieg beziehungsweise die Bereitschaft, durch die Stationierung von Raketen ein neues Wettrüsten zu starten? Oder bewundern Sie die Tatsache, dass gerade diese beiden Länder von den Vorgaben der Europäischen Grundrechtecharta ausgenommen wurden?

Statt wortgewaltige Kolumnen zu drucken, sollten die deutschen Medien, einschließlich der ZEIT, erst einmal ihrer Informationspflicht nachkommen und sachlich über den Inhalt des Reformvertrages sowie über etwaige Unterschiede zur abgelehnten EU-Verfassung informieren. Dann sollten nicht nur das Bundesverfassungsgericht, sondern auch die Wählerinnen und Wähler Deutschlands zum EU-Reformvertrag befragt werden.

Heinz Kitzerow, Paderborn

Ist es verantwortungsbewusst, ein Land, das von seinem Recht auf Demokratie Gebrauch macht, unter Druck zu setzen, zu strafen?

Ist es verantwortungsbewusst, das vermeintliche Fehlverhalten ausschließlich auf der Seite Irlands zu suchen?