Sie gehen meines Erachtens etwas zu unkritisch mit dem Thema Eignungstest um. Ein Test, der von einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung mit wissenschaftlichem Anspruch durchgeführt wird, und der weichenstellend in die Rechte junger Menschen eingreift, muss selbst qualitativen und wissenschaftlichen Mindeststandards genügen – und das ist nicht gegeben.

Es genügt nicht, dass einige Professoren wie Köche nach eigenem Gutdünken verschiedene Zutaten zusammenrühren und dann behaupten, das Ergebnis sei ein Eignungstest.

Ich nenne als Beispiel die Medizin. In dieser Fakultät gibt es seit geraumer Zeit sogenannte Eignungstests für den Zugang zum Studium. Es fehlt aber schon an einer eindeutigen Zieldefinition. Bekanntermaßen ist nicht das Studium und das Examen selbst das Ziel, sondern der angestrebte Beruf. Haben erfolgreiche Labor-, Röntgenärzte und Gerichtsmediziner viele Gemeinsamkeiten im Persönlichkeitsprofil mit Landärzten und Psychiatern? Wenn ich aber das Ziel nicht eingrenzen kann, wie will ich dann erforderliche Eigenschaften definieren?

Anschließend gälte es dann noch, diese Eigenschaften zu messen und das Messinstrument Test auf Gültigkeit, Reproduzierbarkeit und Trennschärfe zu prüfen, ehe man es auf die Menschheit loslässt.

Was sich hinter den sogenannten Eignungstests verbirgt, ist leider nur wissenschaftlich getarnte "eminenzbasierte" Zuteilung von Studienplätzen außerhalb rechtsstaatlich kontrollierbarer Regeln. Für eine wirklich sachgerechte Auswahl – auch mit Hilfe von Tests – muss man sich etwas mehr Mühe geben. Ich empfehle kritisches Hinterfragen des Blendwerks der bestehenden "Eignungstests".

Dr. med. Rolf Walther, Flensburg