Der Tonfall des Artikels ist irreführend. Eine Legende, wonach Bismarck ein Friedenspolitiker um jeden Preis war, hat es nie gegeben. Und den Krieg 1870/71 als "preußisch-deutschen Reichsgründungskrieg" im Titel eines Geschichtswerks anzuführen erinnert an Fritz Fischer: Der Griff nach der Weltmacht.

Einseitig zielgerichtete Geschichtsbetrachtung ist ungut! Es muss auch die Gegenseite in Betracht kommen. Dasselbe Thema behandelt Fritz Stern in Gold und Eisen mit Berücksichtigung der französischen Seite. Danach ist Bismarck keineswegs einem Krieg mit Frankreich aus dem Wege gegangen. Preußen hat gerüstet. Napoleon III. war aggressiv. In Spanien war 1868 Isabella II. gestürzt worden. Die spanische Interimsregierung bot Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen den Thron an. Bismarck unterstützte das, Wilhelm I. weniger. Napoleon III. fasste es als "Einkreisung" auf und drohte mit Krieg. Leopold zog im Juli 1870 seine Kandidatur zurück. Aber Napoleon III. war nicht zufrieden. Er verlangte von Wilhelm I., dem König von Preußen, Garantien gegen eine abermalige Kandidatur eines Hohenzollern in Spanien. Auf solch eine Demütigung seiner Person und seiner Familie ließ sich Wilhelm I. nicht ein. Da hat Napoleon, hoffärtig wie er war, den Krieg begonnen, nicht Bismarck. Irgendeine Legende lässt sich daraus nicht ableiten.

Dr.-Ing. K.-L. Fricke, Hemmingen