Wer im Rentenalter noch berufstätig sein und Geld verdienen will, dem soll das nicht verwehrt werden. Wer aber seine letzten Lebensjahre wie Philemon und Baucis verbringen möchte, Hand in Hand vor der ersparten Hütte sitzend und die Gesundheits- und Wohlstandseinbußen, die das Alter mit sich bringt, gelassen ertragend, dem sollte dieses Glück auch niemand verwehren dürfen. Schließlich leben wir nicht, um zu arbeiten, sondern wir arbeiten eine festgesetzte Zahl von Jahren, um danach noch möglichst viele zu leben, ohne zu arbeiten.

Wir Alten haben unser Pflichtsoll für die Allgemeinheit erfüllt. Nun ist es an der Zeit für die Jungen, für mehr Junge zu sorgen, statt uns vorzuschreiben, wir Alten müssten länger jung bleiben. Rein verfahrenstechnisch müsste das sogar der einfachere Weg sein.

Jürgen Törber Essen

Ihre Ausführungen zur Altersteilzeit sind im Grundsatz richtig, vermisst habe ich jedoch ein paar Gedanken zu der Frage: Was wird passieren, wenn wir die Altersteilzeit ersatzlos abschaffen? Man gewinnt den Eindruck, der Staat spart jährlich 1,5 Milliarden Euro, und die Welt ist in Ordnung. Schön wär’s.

Die Mehrheit der Großunternehmen (Telekom, Post, Bahn, Energieversorger) will in den nächsten Jahren massiv Personal abbauen, besonders die "lebensälteren Mitarbeiter" sind im Fokus, trotz Lebenserfahrung, wesentlich ist nur, dass sie viel teurer als vergleichbare junge Mitarbeiter sind. Wird die Altersteilzeit abgeschafft, ist diesen Unternehmen ein Weg zum "sozialverträglichen" Arbeitsabbau verwehrt, man wird dann über Abfindungen und betriebsbedingte Kündigungen nachdenken, mit nicht unerheblichen Kosten für die Sozialversicherungsträger, denn über 55-Jährige sind einfach am Arbeitsmarkt nicht unterzubringen, auch wenn uns die Politik ständig das Gegenteil erzählen will. Diese Kosten wären der Einsparung in Höhe von 1,5 Milliarden jährlich entgegenzustellen.

Ferner gab es im Rahmen der Altersteilzeit erhebliche Einstellungen mehrheitlich junger, arbeitsloser Jugendlicher, dies wird zumindest in dem Maße (ohne Gegenleistung des Staates) nicht mehr passieren, es müssen also andere Fördermittel ins Leben gerufen werden, auch dies müsste gegengerechnet werden.

Zum Schluss noch eine Bemerkung: Die Misere der Rentenkasse ist nur zum kleinen Teil eine Folge unserer demografischen Entwicklung, sie ist vielmehr eine Folge der Wiedervereinigung mit Übernahme aller ehemaligen "DDR-Rentner" in unser Rentenversicherungssystem. Da hierfür nicht die Beitragszahler, weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber die Verantwortung tragen, wäre die Politik in der Pflicht, auch die Folgen zu tragen und für einen Ausgleich zu sorgen!