Kann man die "wahren Kosten" eines Krieges berechnen? Und was zählt überhaupt zu diesen Kosten? Die Autoren – der Volkswirtschaftler und Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz und die Finanzwissenschaftlerin Linda J. Bilmes – stellen von Beginn an klar, dass es bei den von ihnen berücksichtigten Kriegs- und Kriegsfolgekosten um eine rein ökonomische Kostenaufstellung geht, weil sich, wie sie mit Recht schreiben, menschliches Leid und moralisches Elend nicht quantifizieren lassen.

Dass der Irakkrieg das schlimmste politische Desaster und die größte ökonomische Fehlinvestition der USA seit dem Vietnamkrieg ist, liegt offen zutage – von dieser Prämisse gehen auch die beiden Autoren aus. Weil man die politischen und militärischen Risiken der Intervention im Irak als Teil des weltweit geführten war on terror von vornherein falsch einschätzte, machte die US-Regierung die eigene Bevölkerung glauben, der Krieg könne gleichsam aus der Portokasse finanziert werden. Die Rede war von 200 Milliarden Dollar Gesamtkosten, inklusive der Kosten für den Wiederaufbau des kriegsbedingt zerstörten Iraks, der sich durch erhöhte Einnahmen aus der Erdölförderung wiederum selbst finanzieren sollte. Höchste politische Entscheidungsträger wie der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und sein Stellvertreter Paul Wolfowitz rechneten die zu erwartenden Kosten systematisch nach unten.

Dagegen machen die Autoren Stiglitz und Bilmes eine ganz andere Rechnung auf. Selbst unter der Annahme eines "günstigsten", das heißt allerdings unrealistischen Szenarios "würden die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten des Krieges über zwei Billionen Dollar betragen".

Diese gewaltige Summe kommt nicht zuletzt deshalb zustande, weil sie versteckte und langfristige Kosten berücksichtigt, die im regulären Verteidigungshaushalt nicht auftauchen. Denn neben den laufenden operativen Kosten des Krieges (Personal-, Material-, Transportkosten et cetera), die für sich genommen schon immens hoch sind, spielen weitere Faktoren eine Rolle – etwa die Aufwendungen für sehr teure private Militärdienstleister und, vor allem, für die finanzielle Abfindung der Kriegsveteranen und ihrer Angehörigen sowie für die medizinische und psychologische Betreuung der verwundeten und traumatisierten US-Soldaten.

Die Kosten für Letztere sind deshalb so exorbitant hoch, weil, verglichen mit früheren von den USA geführten Kriegen, die Überlebensrate im Irakkrieg dank der verbesserten notfallmedizinischen Versorgung auf dem Gefechtsfeld extrem hoch ist – auf einen Gefallenen kommen 15 Verwundete. Dieser kaum zu beziffernde Kostenpunkt wird für die USA noch jahrzehntelang finanziell massiv zu Buche schlagen.

Selbst die größte Volkswirtschaft der Welt kann derartige Belastungen nur schwer bewältigen. Von anderen, etwa denen für den Wiederaufbau des zerstörten Iraks, der nach fünf Jahren Krieg wirtschaftlich schlechter dasteht als zu Zeiten des Sanktionsregimes gegen Saddam, zu schweigen. Die Weltwirtschaft insgesamt zählt zu den Verlierern des Bush-Abenteuers, wie die Autoren darlegen. Echte Gewinner gibt es nur wenige: private Sicherheitsfirmen und eine Handvoll Ölkonzerne.

Die sozialen und politischen Kosten des Krieges, von Stiglitz und Bilmes ebenfalls thematisiert, lassen sich überhaupt nicht berechnen, sondern allenfalls benennen: Millionen Iraker haben ihr Land verlassen, weitere Millionen sind innerhalb des Iraks auf der Flucht. Die Versorgung der Bevölkerung mit Elektrizität ist schlechter als vor dem Krieg, Kinder hungern, sind ohne ausreichende ärztliche Hilfe und wachsen als Analphabeten auf.

Weltweit haben die USA an politischem und moralischem Ansehen dramatisch verloren. Und erst jüngst musste das State Department melden, dass terroristische Aktivitäten 2007 weltweit zugenommen hätten. Sechzig Prozent der 22000 Todesopfer terroristischer Attacken waren im Irak zu beklagen. Das Buch von Stiglitz und Bilmes dokumentiert das umfassende Scheitern einer Politik, die sich bis heute weigert, die Realität anzuerkennen. Hans-Martin Lohmann