Die Europäische Zentralbank ist die Notenbank der Währungsunion. Ihre vorrangige Aufgabe ist es, für Preisstabilität zu sorgen. Sie steuert die Wirtschaft, indem sie den Leitzins festlegt, also jenen Zinssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld ausleihen. Entscheidungen werden vom Zentralbankrat getroffen. Darin sitzen neben dem Präsidenten und fünf Direktoriumsmitgliedern die Vertreter der 15 nationalen Notenbanken der Euro-Mitgliedsstaaten.

Die EZB feierte kürzlich ihr zehnjähriges Gründungsjubiläum. Erster Präsident war der Niederländer Wim Duisenberg. Die Deutschen wollten damals einen Franzosen an der Spitze der Institution verhindern, konnten aber keinen eigenen Kandidaten durchsetzen, weil sie bereits Frankfurt als Sitz der Zentralbank erstritten hatten. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac akzeptierte die Berufung Duisenbergs nur unter der Bedingung, dass dieser nicht die komplette Amtszeit von acht Jahren absolviert. Dann sollte der Kandidat der Franzosen übernehmen. Der hieß Jean-Claude Trichet.

Trichet hatte sich zwar in der französischen Regierung als Präsident der Banque de France durch seine Stabilitätspolitik nicht nur Freunde gemacht. Am Ende allerdings zählten seine Erfahrung und sein hohes internationales Renommee. 2003 musste er sich in einem Prozess um Bilanzfälschungen bei der ehemaligen staatlichen Bank Crédit Lyonnais vor Gericht verantworten, wurde jedoch freigesprochen. Der Euro ist heute die zweitwichtigste Währung am internationalen Devisenmarkt, und die Euro-Zone der größte Wirtschaftsraum der Welt. MAS