Und er wankt doch. Fast schien es, als würde die Afrikanische Union (AU) bei ihrem Gipfeltreffen im ägyptischen Seebad Scharm al-Scheich wieder das übliche Gruppenbild mit Despoten abgeben und Simbabwes Präsidenten Robert Mugabe nach seiner Wahlfarce ungeschoren lassen. Gastgeber Hosni Mubarak brachte es in seiner Eröffnungsrede fertig, den Terror in Simbabwe mit keinem Wort zu erwähnen, die Außenminister der AU hatten tags zuvor die Generallinie vorgegeben: Dialog statt Druck, stille Diplomatie statt Sanktionen. Doch dann wagte das erste Mitglied den Aufstand. Botsuana verlangte den Ausschluss Simbabwes aus der AU. Der Vorstoß dieses kleinen, demokratischen Landes manifestiert die Risse in der Organisation, wenn es um den Umgang mit Diktaturen geht. Da sind die klassischen Verleugner und Verharmloser, die ewigen Zauderer und Dampfplauderer, aber auch einige reformwillige Hoffnungsträger.

Den Präsidenten Südafrikas verbindet mit Mugabe eine Art Vaterkomplex

Auffälligste Gestalt ist und bleibt natürlich der Mann mit dem silbernen Bart: Thabo Mbeki, der südafrikanische Präsident. Er gehört zu den mächtigsten Politikern des Erdteils, keiner hat mehr Einfluss auf die Entwicklung in Simbabwe. Zudem wurde er von der Wirtschaftsunion des südlichen Afrikas (SADC) zum Chefvermittler ernannt. Mbeki verteidigt zäh und stur seine sogenannte "stille Diplomatie", die seit 2000 kläglich versagt, und er hat in den acht Jahren des Scheiterns nichts dazugelernt. Selbst in der schlimmsten Terrorphase vor der Stichwahl, als Mugabes Schläger folternd und mordend durchs Land zogen, weigerte er sich, von einer Krise zu reden. Die simbabwische Opposition wirft Mbeki vor, insgeheim auf der Seite von Mugabe zu stehen; sie schimpft ihn einen Komplizen beim "Diebstahl der Demokratie". Offenbar verbindet ihn mit dem alten Tyrannen eine Art Vaterkomplex – Mugabe ist und bleibt die antikoloniale Leitfigur, die im Kampf gegen die Apartheid an vorderster Front stand. Mbeki stimmte auch auf diesem AU-Gipfel wieder das alte Lied vom Dialog an, das in seinem eigenen Land keiner mehr hören kann. Die Mehrzahl der in Scharm al-Scheich versammelten Staatschefs sang mit – oder bewegte zumindest die Lippen.

Auch Tansanias Präsident Jakaya Kikwete. Der 58-jährige Volkswirt bekleidet als derzeitiger AU-Vorsitzender ein herausragendes Amt. Er repräsentiert ein friedfertiges und neutrales Land, dass seit den Tagen des Gründervaters Julius Nyerere auf dem Kontinent höchstes Ansehen genießt. Kikwete hatte als erster Staatschef laut über eine afrikanische Militärintervention in Simbabwe nachgedacht. Aber wer ihm einen radikalen Kurswechsel zugetraut hatte, sah sich bitter enttäuscht. Ausgerechnet Kikwete entblödete sich nicht, dem simbabwischen Volk zu einem historischen Wahlergebnis zu gratulieren! Und das, obwohl die Beobachtermission des panafrikanischen Parlaments ein vernichtendes Urteil über den Wahlschwindel gefällt hatte.

Zu den Lavierern und Taktierern gehört Yoweri Museveni, Präsident von Uganda. Der neoliberale Entwicklungsdiktator war lange Zeit ein Liebling des Westens. Obwohl schon im vorgerückten Alter, wurde er zeitweise sogar zu den jungen Prinzen gezählt, die eine "afrikanische Renaissance" anstreben. Dass er einen Mugabe bewundert, hat sicher auch mit der gemeinsamen marxistischen Vergangenheit zu tun, mehr aber mit dem Heldennimbus, den der greise Gewaltherrscher in der Befreiungsgeschichte des Kontinents nach wie vor genießt. Umso erstaunlicher war der vermeintliche Sinneswandel Musevenis: Mugabe müsse gehen, wenn er den Urnengang verliere. Das sagt einer, der selber nicht besonders viel von echter Demokratie hält und sich mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln an die Macht klammert. Weil ihn das mit dem Gros der afrikanischen Präsidenten verbindet, werden seine Ansichten oft zu Leitgedanken der AU. Stünde einer wie er gegen Mugabe auf, würden ihm vermutlich etliche Amtskollegen folgen. Aber Museveni tat in Scharm al-Scheich das Gegenteil. Er eskortierte Mugabe höflich in die Konferenzhalle, die Stimmung war heiter und gelassen.

Ganz anders dann eben der Botsuaner Ian Khama, der Neue im Kreis der AU-Staatschefs, und sein Stellvertreter Mompati Merfahe. Khama, 1953 geboren, passt so gar nicht in den Club der schwarzafrikanischen Granden. Er ist noch keine hundert Tage im Amt und ist ein lupenreiner Demokrat. Sein Vorgänger Festus Mogae war im Süden Afrikas der einzige kompromisslose Gegner von Mugabe und wurde als Präsident der stabilsten Demokratie auf dem Kontinent seinem guten Leumund gerecht. Es sieht so aus, als würde Khama in seine Fußstapfen treten.

Auch Botsuana bekommt die Folgen der Selbstzerstörung Simbabwes unmittelbar zu spüren, Tausende von Flüchtlingen strömen in das relativ wohlhabende Land. Die Regierung verurteilt die Gewaltexzesse von Mugabes Schergen und unterstützt Morgan Tsvangirai, den Chef der Opposition. In Scharm al-Scheich überließ es Khama seinem Vize, Mugabe bloßzustellen. Die Wahl in Simbabwe, sagte Merfahe, "spiegelt nicht den freien Willen des Volkes wider." Mugabe habe in der AU nichts mehr verloren.