"Die Fiktion, die Fantasie ist lebensnotwendig und war es immer." So lautete sein Lebensmotto. Schon als Knirps hatte er es von seinem Vater, einem Maler, übernommen und später seine eigene Existenz konsequent danach ausgerichtet. Man kann sich das gut vorstellen: Der Kleine lag im Atelier in seinem Kinderbettchen, und während der Vater surrealistische Bilder auf die Leinwand brachte und eine Gutenachtgeschichte erzählte, sah sein Sohn durch das gläserne Dach in den Sternenhimmel und träumte sich fort in ferne Galaxien.

Das waren die guten Jahre, dann kamen die schlechten. Der Vater fiel in Ungnade und bekam keine Aufträge mehr. Die Mutter brachte die Familie, die nun in einer winzigen Wohnung lebte, als Heilgymnastin durch. Der Junge quälte sich mit miesen Noten durch die Schule. Aber am schlimmsten war für ihn, dass seine Eltern sich andauernd stritten.

Aber da war ja noch diese andere Welt, in die der Junge flüchten konnte: die "innere Welt, ohne die der Mensch die äußere Welt gar nicht bewältigen kann". Zumal die äußere Welt dann in Schutt und Asche fiel. Drei Tage, drei Nächte, die zur Initialzündung für den jungen Künstler wurden: "Ich habe unter dem Eindruck eines Weltuntergangs zu schreiben begonnen… das sind Bilder, die mich nie mehr losgelassen haben", erzählte er. Aber gerade deshalb liege ihm daran, "mich in meinen Büchern leicht zu machen, …Humor und Menschenfreundlichkeit zu entfalten".

Die Literatur und das Schreiben, sie wurden sein Lebenselixier. Obwohl er anfangs kaum davon leben konnte. Doch just als ihn sein Vermieter aus der Wohnung klagen wollte, weil er sieben Monate die Miete nicht bezahlt hatte – da kam die Wende. Man verlieh ihm einen Preis für sein Erstlingswerk, das nun in allen Buchläden auslag.

Es wurde zum Megabestseller. Wie später noch zwei Folgewerke, bis heute liegt die Auflage seiner Bücher in Millionenhöhe. Im In- und Ausland feierte man den "Nachfahren der Romantiker" – so sah er sich selbst. Wichtiger als materieller Erfolg war ihm freilich, dass die Menschen ihm so gern in seine bunten Welten folgten. "Wenn ich vorlese, sitzen vorne die Kinder, dann kommen die alternativen Indianermädchen mit Stirnband, …die Studenten und dahinter die Erwachsenen. Auch die Briefe (an mich) sind von Achtjährigen und von Achtzigjährigen, Universitätsprofessoren und Fabrikarbeiterinnen…" Offensichtlich gelang es ihm, eine tiefe Sehnsucht der Menschen zu stillen: die nach Zauber, Fabeln und kleinen Wundern.

Trotz seines beruflichen Erfolges musste er oft bösen Kummer verkraften. So entpuppte sich etwa ein angeblicher Berater als Betrüger und stürzte ihn fast ins Verderben, das passierte ausgerechnet kurz nach dem Tod seiner geliebten Frau. Und vielleicht hat ihm das dann den Magenkrebs eingebracht, an dem er starb. Wer war’s?

Frauke Döhring