Beim Dortmunder "Sparkassen Chess Meeting" (noch bis 6. Juli) spielt auch der Ukrainer Wassili Iwantschuk mit. Einer, der nicht nur linkisch und weltverloren wirkt, sondern es auch ist.

Außer beim Schach – da ist er kaltblütig und ganz im "Hier und Jetzt", mag sein meist auf einen imaginären Punkt an der Decke gerichteter Blick, wobei vor seinem inneren Auge pausenlos unzählige Varianten vorüber-laufen, ohne durch die konkrete Stellung auf dem Brett "gestört" zu werden, auch anderes vermuten lassen. Wegen seines liebenswürdig-kindlichen Wesens ohne die geringsten Starallüren wird der 39-Jährige fast überall geliebt, in der spanischen Stadt Linares ließ ihn Kasparow vor einigen Jahren auf seinem Stuhl sitzen, dieses Jahr durfte er trotz der strengen Kleiderordnung teilweise im Trainingsanzug von Real Madrid spielen – und siehe da, der (Aber-)Glaube half. Kein Wunder, dass der Engländer Nigel Short verzückt mit den Augen rollt und immer wieder "Tschuki, Tschuki, Tschuki" stammelt.

Doch beim Weltklasseturnier, das kürzlich in Sofia stattfand und das er mit sagenhaften acht Punkten aus zehn Partien vor Topalov gewann, sprach man nur vom "Tschuk", bulgarisch für Hammer, jede Verkleinerungs- oder Verniedlichungsform seines Namens wäre hier unangebracht gewesen.

Mit welchem siegreichen "Hammerzug" überraschte er nach nur acht Zügen als Weißer den Chinesen Bu Xiangzhi?

Helmut Pfleger