Es gibt einige Legenden, wie man angeblich das Geschlecht des Babys beeinflussen kann – etwa indem das Paar bestimmte Fruchtbarkeitstage abpasst oder gar während des Zeugungsakts besondere gymnastische Stellungen einnimmt. Fast nichts davon stimmt. Nun ging vor einigen Wochen eine neue Meldung zum Thema durch die Presse: Das Geschlecht des Kindes hänge von der Art und Weise ab, wie die Mutter sich ernähre.

Natürlich kann es nur um die Ernährung vor der Empfängnis gehen – sind Samen- und Eizelle einmal verschmolzen, steht das Geschlecht fest. Forscher der britischen University of Exeter haben 740 Schwangere, die das Geschlecht des Kindes noch nicht kannten, nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und sie je nach Kalorienzufuhr in drei Gruppen eingeteilt. In der Gruppe, die am kräftigsten zulangte, wurden 56 Prozent Jungen geboren, in der Gruppe mit der niedrigsten Energiezufuhr waren es nur 45 Prozent. Eine andere Version des Ergebnisses: Mütter von Mädchen konsumierten pro Tag im Schnitt 2283 Kilokalorien, Mütter von Jungen 2413.

Offenbar sind die Wissenschaftler da einem Phänomen auf der Spur, auch wenn sie noch nicht die geringste Ahnung haben, wie diese Geschlechterselektion funktionieren könnte. Immerhin hat man auch schon bei Pferden, Kühen und sogar einigen Insektenarten festgestellt, dass in Zeiten, in denen die Nahrung knapp ist, vermehrt weibliche Nachkommen geboren werden. Die Forscher glauben mit ihren Zahlen auch erklären zu können, warum in der westlichen Welt der Anteil der Jungengeburten stetig zurückgeht: Es liege daran, dass die Frauen allgemein weniger äßen und gerne das Frühstück ausfallen ließen.

Sollen Frauen nun ihre Ernährung umstellen, um gezielt einen Sohn oder eine Tochter zu bekommen? Davon kann man nur abraten – es geht bei alledem ja lediglich um eine kleine statistische Abweichung.

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