Vor dreißig Jahren, als Stefanie Körner ein kleines Mädchen war, brachte ihre Mutter aus England das Virus mit, von dem sich die Familie seither nicht wieder erholt hat. Damals war Ettenbühl im Markgräflerland ein Aussiedlerhof mit sieben Hektar Weideland. Stefanies "gartenwahnsinnig" gewordene Mutter begann ein Stück davon umzugraben, pflanzte Lavendel und alte Rosen. Heute hat sich die private Leidenschaft für "alles Englische" zum Unternehmen Landhaus Ettenbühl ausgewachsen mit Schaugarten, Rosenversand, Restaurant und Bed & Breakfast. Gäste nehmen den Nachmittagstee mit Scones, Erdbeermarmelade und Clotted Cream – der doppeldicken englischen Sahne – auf der rosenumsponnenen Terrasse. Die durchgängig geblümten Zimmer heißen Crow’s Nest oder Gardener’s Retreat, auf dem Tablett neben dem elektrischen Wasserkessel und der Dose mit den Teebeuteln liegt ein original englisches Plätzchen. Und schließlich gibt es im Country-Shop neben Spaten und Scheren die teuren englischen Gärtnerseifen und Gärtnersalben und den ganzen reizenden Klimbim vom Tässchen bis zur Teemütze, den kein Mensch wirklich braucht und der von manchen Damen trotzdem so gern gekauft wird.

Ihre Mutter, sagt Stefanie Körner, sei eine starke Persönlichkeit. Sie aber auch. Deshalb müsse zwischen ihnen gerade die Chefinnenfrage über das Landhaus Ettenbühl neu geklärt werden. Früher erwies sich die Tochter resistent gegen die Neigung, im englischen Rosengarten Unkraut zu jäten. Aber irgendwann hat auch sie das Virus erwischt. So hat die Fernsehredakteurin Stefanie Körner, die "keine Rose von einem Usambaraveilchen unterscheiden" konnte, den englischen Gartendesigner und Rosenzüchter John Scarman geheiratet. Bei Rosemary Verey, der großen alten Dame unter den Gartendesignern, hat er gelernt, mit dem Rosenzüchter David Austin zusammengearbeitet und mit seiner ersten Frau Teresa eine Rosenschule geleitet. 1998 kam er nach Ettenbühl, um dort einen Rosenkurs zu geben. "Im Jahr darauf kehrte er wieder zurück", sagt Stefanie Körner, "und irgendwann ist er geblieben."

Inzwischen haben sie zwei kleine Söhne, und der Garten ist auf fast fünf Hektar angewachsen. Scarman hat neue Gartenräume und grüne Ringe um "Granny’s Rosewalk" und ihre Lavendelrabatten gelegt, hohe Hecken, die die Abendsonne einfangen, schönlaubige Gehölze, ein Hainbuchen-Labyrinth und einen weißen "Wedding Garden", in dem eine Trauerweide über den Tag hinausweist. Und Stefanie Körner macht längst keiner mehr eine Zentifolie für eine Moschata-Hybride vor. Auf Scarmans Gartenkursen übersetzt sie seine lehrenden Worte und leichten Scherze. "Wir machen Infotainment im Doppelpack". Eine der Lehren geht so: Es waren einmal zwei Rosenbeete; das eine wurde von einem Gärtner, das andere von einem Mädchen mit Heckenschere bestellt. Der Gärtner trimmte die Rosen auf traditionelle Art; er schnitt sie auf vier, fünf starke Triebe herunter und achtete darauf, dass die oberste Knospe nach außen wies. Das Mädchen schnitt einfach drauflos. Welche Rosen sahen im nächsten Jahr wohl besser aus? Na? Wir kommen darauf zurück.

Als der Schriftsteller Christoph Meckel noch im Markgräflerland lebte, schrieb er: "Nichts außer dem Meer wird hier vermißt, und das Vorhandene ist in Fülle da." An den Garten von Ettenbühl hatte er dabei vermutlich nicht gedacht, sondern an die Vorzüge der Gegend am Fuß des Schwarzwalds, ihr menschenfreundliches Erscheinungsbild, das von den fernen graublauen Vogesen gerahmt wird, die Rebhügel, Wälder und Kuhweiden, die würdigen Bauernhäuser, Obstspaliere und wirtlichen Platanen, unter denen man zum Gutedel Wurstsalat und Tellersülze mit Bratkartoffeln verzehrt. Den im Ettenbühler Garten vorhandenen Überfluss gibt es ja auch erst, seit Scarman vor zehn Jahren im großen Stil zu pflanzen begonnen hat, aber es üppt nun rosig über Mauern und Pergolen in Pink, Purpur und Rotweinrot, die Blüten geviertelt, gewirbelt und gefüllt oder offen wie ein unschuldiger Augenaufschlag. Rosen füllen die Wipfel alter Kirschbäume und atmen unter der Sonne warme Düfte mit Noten von Apfelkuchen und Gewürznelken aus.

Rosenschnitt ist eine Religion, der Gartendesigner Scarman ein "Ketzer"

"Gerüche lösen Erinnerungen und Gefühle aus", sagt John Scarman. Einer seiner stärksten Kindheitseindrücke war der Garten seiner Großmutter, in dem es nach Rosmarin, Wacholder und Rosen duftete. Seine Rosen müssen zuverlässig und pflegeleicht sein, aber vor allem müssen sie duften, "bezaubernd" duften, Duftfallen für Besucher stellen, die nach Umrundung einer Hecke plötzlich eingehüllt werden: Ahhh! Was ist…? Riech doch mal! An die dreihundert Sorten zieht er in Ettenbühl, jedes Jahr kommen neue hinzu.

Er wartet am Drehkreuz zum Garten und geht voraus entlang der Rabatte voller Rittersporn und weißer Königskerzen, die von gewaltigen tonnenförmigen Leyland-Zypressen gesäumt wird. Dahinter liegen zur Talseite ein Potager und ein Beerengärtchen und eine Mammutbaumallee, über die der Blick ins schön gewellte Land geht. Zur Rechten brandet die Rabatte an ein Wäldchen mit Märchenwiese, auf der Hirsche aus Buchsbaum stehen, und an den Pfingstrosenweg, wo im Sommer ein nach Orangenlimonade duftender Bauernjasmin die Luftherrschaft über die Päonien angetreten hat.