DIE ZEIT: Herr Lampeitl, Herr Wilhelm, Sie beide sind Seelsorger im Europa-Park Rust, Deutschlands größtem Freizeitpark. Achterbahnen und Religion, passt das überhaupt zusammen?

Andreas Wilhelm: Ja. Neben Attraktionen und Shows brauchen die Besucher Entschleunigung und Ruhe. Genau das können wir ihnen bieten.

Martin Lampeitl: Viele Menschen sind hier, um die Sorgen des Alltags abzuschütteln. In den Pausen zwischen zwei Fahrten aber wird ihnen bewusst, dass die sich doch nicht so leicht verdrängen lassen.

ZEIT: Und über welche Nöte sprechen die Leute denn mit Ihnen?

Lampeitl: Über Beziehungsprobleme oder dass die Ehefrau ins Krankenhaus muss oder ein Verwandter gestorben ist. Besonders ältere Menschen reden gerne mit uns.

Wilhelm: Viele tragen auch etwas ins Fürbittenbuch ein, das in der Kirche ausliegt. An einem Sommertag füllen sich immer gut zehn Seiten. Ein kleines Mädchen hat zum Beispiel einmal geschrieben: "Lieber Gott, sag Papa einen lieben Gruß und dass es uns gut geht." Daneben malte sie einen traurigen Mond – und eine lachende Sonne, weil sie so einen schönen Tag erlebt hatte.

ZEIT: Teilen Sie sich die Gläubigen auf? Schließlich sind Sie, Herr Wilhelm, Katholik, und Ihr Kollege ist evangelisch.