Volker Perthes mag ruhig weiter von einem großen Geschäft mit dem islamischen Regime in Iran träumen, wie er es in seinem Artikel Satan ruft Schurkenstaat (ZEIT Nr. 29/08) getan hat. Dabei muss er selbst einräumen, dass "wir" nicht wissen, ob denn ein großzügiges Angebot, wie er es in seinem Beitrag skizziert, die Machthaber in Teheran wirklich von ihren Plänen abbringen könnte, sich atomar zu bewaffnen und zur Supermacht der Region aufzusteigen.

Perthes schlägt vor, dass der Westen Iran Sicherheitsgarantien bieten soll, ohne daran zu denken, dass solche Sicherheitsgarantien für das iranische Volk, für Frauen, Jugendliche, Dissidenten, Homosexuelle, für ethnische und religiöse Minderheiten nichts anderes bedeuten würden als eine Garantie für weitere unmenschliche Unterdrückungen.

Das islamische Regime würde ein Abkommen mit dem Westen nur als Einladung für weitere Menschenrechtsverletzungen verstehen. Es gibt für die Machthaber in Iran keinen anderen Weg. Wie sonst könnten sie die Unruhen in Iran in den Griff bekommen, die eine unvermeidliche Folge eines solchen Geschäftes wären? Doch das ist Herrn Perthes und dem Westen offenbar vollkommen egal.

Für Volker Perthes und für die westlichen Länder ist Iran nur ein außenpolitisches Problem. Aber für uns Iraner ist es unser Land, unser Schicksal und unsere Zukunft. Bei der Gestaltung dieser Zukunft muss das iranische Volk eine wichtigere Rolle spielen als alle Pläne, die seit Jahren entwickelt werden, um den wirtschaftlichen und politischen Interessen der europäischen Länder zu dienen.

Was will der Westen denn unternehmen, wenn nicht der amerikanische Präsident auf einen regime change drängt, sondern das iranische Volk selbst? Dagegen helfen den Machthabern in Teheran keine Sicherheitsgarantien des Westens. Das wissen die Führer der islamischen Republik in Iran natürlich, und auch deshalb lehnen sie alle Angebote ab.

Ellahe Bograt ist ZEIT-Leserin in Berlin

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