Am Anfang, Du erinnerst Dich, hat das ja allen viel Freude bereitet, dass der Schilling im zeitlos-eleganten Hundertwasser-Design wieder da war. Es war auch zunächst nicht weiter schlimm, dass rund um Österreich eine Tag und Nacht schwer bewachte EU-Außengrenze hochgezogen wurde. Obwohl natürlich die oft stundenlangen Wartezeiten, wenn man von Ungarn oder Italien gekommen ist, schnell lästig wurden, vor allem als 2013 nach dem Terroranschlag von Hisbollah auf den Eiffelturm die Visumpflicht für Österreicher wieder eingeführt worden war.

Unserer Regierung war damals schon klar, dass die Befreiung aus der Brüsseler Knechtschaft und die Rettung unseres Wassers, also letztlich unseres Lebenssaftes, auch einen gewissen Preis kosten würden. Zum Beispiel war es in Berchtesgaden einfach nicht zu verhindern, dass jetzt die neuen überschweren Lkw-Züge über den Brenner fahren dürfen, und zwar mehr denn je zuvor. Sonst hätte die Merkel unsere Firmen einfach vom Binnenmarkt ausgeschlossen. Dann wäre die Arbeitslosigkeit heuer bei 35 Prozent und nicht bloß bei knapp unter 20 Prozent gelegen. Und das trotz der drei obligatorischen Bürgerwehrjahre für alle Absolventen der Gesamtschule.

Auch dass wir jetzt schon drei Atomkraftwerke in Österreich stehen haben, wäre vermutlich nicht zu vermeiden gewesen. Seit die EU 2015 unter dem Eindruck der unionsweiten Energienot den Stromexport verboten hat, konnten wir keinen französischen und tschechischen Atomstrom mehr importieren. Du bist nicht böse, Eva, wenn ich trotzdem finde, dass Ihr in der Zeitung die paar Tausend Rentner, die im stromknappen Winter 2014 erfroren waren, zu sehr dramatisiert habt. Immerhin haben wir ja sofort begonnen, AKWs zu bauen.

Und dass Russland, nachdem das EU-Importkartell aller Mitgliedsstaaten eine Preissenkung erzwungen hatte, allen anderen dafür den Gaspreis verdreifachte, konnte niemand ahnen. Innenminister Gudenus jr. bekam ja damals die Kälte-Unruhen im Karl-Marx-Hof recht schnell in den Griff.

Immerhin, Du erinnerst Dich, hatte die beginnende wirtschaftliche Not jener Jahre, als immer mehr Unternehmen Österreich in Richtung EU verließen, auch ihre guten Seiten. Ohne den Druck der Brüsseler Bonzen wäre die Fusion von SPÖ, FPÖ, dem ÖAAB, dem Bauernbund und der Liste Haider in Kärnten zu unserer neuen Sozial-Nationalen Vaterlandsfront 2017 sicher nicht so schnell und reibungslos erfolgt. Wenn ich ehrlich bin, lässt es sich jetzt ganz komfortabel regieren. Es stört uns nicht weiter, dass die Rest-ÖVP noch in zwei, drei Wiener Bezirksparlamenten vertreten ist. Dass die Grünen nun die Umwelt- und Tierseite in Deiner Zeitung gestalten, finde ich echt nett. Besonders mag ich die Fotos, wo die Oma Glawischnig immer die Hunde so herzig streichelt.

Und dafür, dass wir jetzt echt pleite sind, können wir, wie Du weißt, sicher nichts. Dass nach dem US-Crash von 2009 das internationale Großkapital kein Vertrauen mehr in unsere Banken hatte, kann man ja nicht gut mir vorwerfen. Auch ist es nicht meine Schuld, dass die Neue Nationalbank selbst unter ihrem Gouverneur Wolfgang Flöttl nicht stark genug war, unsere Banken vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Was blieb mir denn anderes übrig, als die Europäische Zentralbank auf Knien zu bitten, die Haftung für unsere Geldinstitute zu übernehmen? Wie Du weißt, war es leider nicht zu vermeiden, dass deshalb jetzt die Sammlungen von Kunsthistorischem, Belvedere und Albertina an die EU verpfändet und in Brüssel ausgestellt sind.

Es war ja schon schlimm genug, dass der Neue Schilling in dieser Krise fast zwei Drittel seines Wertes verlor und daraufhin die Zinsen auf 30 Prozent angehoben werden mussten, was die Wirtschaft leider nicht so gut ertrug und die Arbeitslosenzahlen explodieren ließ. Den Rest kennst Du ja: jene nun schon ein Jahrzehnt währende "wirtschaftliche Sonderperiode", welche die Österreicher jedoch mit patriotischem Stolz ertragen. Nicht zuletzt dank Eures publizistischen Wirkens natürlich.