Jetzt dürfen sie also wieder qualmen, die unverbesserlichen Raucher, die ewigen Nikotinsüchtigen und gelegentlichen Genussschmaucher. Auch in ihrer kleinen Kneipe gleich um die Ecke, wo es nichts gibt außer Bier und Zigaretten und dicker Luft. So hat es das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe am Mittwoch entschieden, und gleich auch noch das generelle Rauchverbot in Diskotheken außer Kraft gesetzt. Aber es täusche sich niemand, schon gar nicht die Raucher, die jetzt wieder die Backen aufblasen wollen: Dies ist kein Sieg für das Rauchen.

Nein, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist, um es auf eine Formel zu bringen, ein Erfolg für die Wirte der Eckkneipen, von denen viele um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten mussten. Es ist eine Niederlage für eine Politik, die Angst vor der eigenen Konsequenz hatte. Und es ist ein Triumph der Vernunft über die Hysterie.

Kaum eine Debatte ist in den vergangenen Jahren derart aufgeregt und ideologisch geführt worden wie der Streit um die Gesetze zum Schutz der Nichtraucher, die nach und nach in allen Bundesländern in Kraft gesetzt wurden, mit allerlei Unterschieden im Detail, aber einer gemeinsamen Stoßrichtung: Das Rauchen, das längst in allen öffentlichen Räumen, in Flughäfen, Lehrerzimmern, Bibliotheken und Bürohäusern verpönt ist, sollte nun auch in den Gaststätten unterbunden werden. Vorgeblich zum Schutze der Nichtraucher, tatsächlich aber zur Stigmatisierung der Raucher. Die, was Wunder, das Ende der freien Welt fürchteten.

Die Nichtraucherschutz-Gesetze sind der vorläufige Höhepunkt einer Kampagne, die das Rauchen in den vergangenen Jahren mit Erfolg all seines vermeintlichen Zaubers entkleidet hat. Die den viel beschworenen Geschmack von Freiheit und Abenteuer als absatzfördernde Lüge entlarvte und die Raucher mittels Aufklärung, Werbeverboten und Verkaufsrestriktionen langsam, aber gründlich in die Defensive trieb. Eine ganze Kultur von rauchverhangenen Filmen und Popsongs hat sich in stinkende Luft aufgelöst. Das Rauchen ist längst nicht mehr cool, sondern auf dem Weg zum Unterschichtenphänomen.

Diesen Erfolg der Gesundheitspolitik – und jeder Raucher weniger ist ohne Frage ein Erfolg – hat Karlsruhe nicht infrage gestellt. Im Gegenteil, die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die todbringenden Gesundheitsschäden und deren enorme finanzielle Folgen für das Gemeinwesen, die das Rauchen wie das Passivrauchen jedes Jahr verursachen, hat das Gericht ganz selbstverständlich zur Grundlage seiner Argumentation gemacht. Und es hat dem Gesetzgeber sogar freie Hand gegeben, ein absolutes Rauchverbot in Gastwirtschaften zu verhängen, überall und ausnahmslos, so wie es in anderen Staaten seit Langem gilt, in Irland etwa oder in einigen amerikanischen Bundesstaaten, in Kalifornien und in New York.

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Doch zu einer solch strikten Lösung fehlte der deutschen Politik die Traute. Sie wollte ein raucherfreundliches Rauchverbot und hat sich dabei in den Fallstricken der eigenen Rücksichtnahme verheddert. Sie hat aus folkloristischen Gründen das Rauchen in Festzelten erlaubt, es aber in Diskotheken verboten. Sie hat manchenorts Raucherclubs geduldet und anderswo nicht. Sie hat für größere Gastwirtschaften Ausnahmen ersonnen, für kleine Kneipen aber jede Toleranz vermissen lassen, die deshalb massive Umsatzeinbußen verzeichneten.