An der A9 Berlin–München steht ein verkehrspädagogisches Plakat. Es zeigt die Moderatorin Sarah Kuttner. Sie macht eine Geste mit Daumen und Zeigefinger, der Abstand dazwischen beträgt gefühlte zwei Zentimeter. "Raser sind so sexy", sagt Frau Kuttner. "Aber", sagt meine Freundin Sue und macht eine Geste, bei der sie die Hände etwa einen Meter auseinanderhält, "sie haben so viel Spaß!" Während sie das sagt, nähert sich die Nadel des Drehzahlmessers der 7000, und die Automatik schaltet bei etwas über 200 km/h in den sechsten Gang. Sie tut dies so entschieden und übergangslos, dass wir ein Jauchzen nicht unterdrücken können. Ja, pfui, wir haben Spaß.

Das Fahren auf deutschen Autobahnen ist normalerweise eine Zumutung, auch und besonders wegen der Zwangsgestörten, die einem ständig am Heck kleben. Gefühlte 98 Prozent aller Drängler sind männlich.

An einem Maserati klebt so leicht nichts, allein schon wegen seines Beschleunigungsvermögens. Und selbst da, wo es ein Tempolimit gab (an das wir uns selbstverständlich hielten), bleiben andere Wagenlenker auf Abstand, um respektvoll diese noblen Formen zu bewundern, die da mit Strich 130 vor ihnen rollen. Fast 50 Kilometer müssen wir aus Berlin rausfahren, um endlich eine Strecke ohne Geschwindigkeitsbeschränkung zu finden. Dann ist die Bahn endlich frei, und wir lassen dem Achtzylinder mal richtig Auslauf.

Angesichts des Verbrauchs ist das Vergnügen schmutziger, als Charlotte Roche es sich ausmalen könnte. Zumindest vibriert es stärker und ist deutlich lauter. Nach einer halben Stunde ist man schweißgebadet und hat genug davon. "Würdest du ihn nehmen?", frage ich Sue. "Schön, wenn man bei einem Ausflug wirklich mal fliegen kann", sagt sie. "Aber für den Alltag hätte ich lieber was Kleines mit Elektromotor."

Sicherlich ist die Fahrleistung nicht der Grund dafür, dass dieses Auto in diversen TV-Serien zum Lifestyle-Objekt für Frauen geworden ist. Eva Longoria, die in Desperate Housewives als Gabrielle in ihrem Maserati davonbraust, sobald es in ihrer Ehe kompliziert wird, erfreut sich womöglich an einem anderen Detail. Zum Gran Turismo ist nämlich ein Lederkofferset von Salvatore Ferragamo optional erhältlich. Dafür würden wir Frauen, falls wir sie übrig hätten, die rund 7000 Euro auch eher ausgeben als für breitere Reifen oder rot lackierte Bremszangen. Aber das ist wohl ein Thema für den Kollegen in der Spalte nebenan.

Technische Daten:
Motorbauart: V8-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 298 kW (405 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 5,2 s
Höchstgeschwindigkeit: 285 km/h
CO²-Emission: 335 g/km
Durchschnittsverbrauch: 14,3 Liter
Basispreis: 112.280 Euro