Eine kleine, aber renitente Gruppe in der Tiroler Volkspartei begehrt auf. Die Frauenorganisation fordert, eine Dame aus ihren Reihen müsse bei den Nationalratswahlen die schwarze Landesliste anführen. Andernfalls werde es Parteiaustritte geben. "Die ÖVP war bisher unsere Heimat; wenn diese Heimat aber nicht mehr Heimat sein kann, dann werden wir diese Heimat auch nicht mehr als Heimat betrachten können", erklären die Rebellinnen. Klingt logisch, oder? Einzig der Parteigeschäftsführer will das nicht verstehen und kontert mit der Behauptung, die ÖVP sei ohnehin seit je eine klassische Frauenpartei gewesen. Klar, dass nun die Parteigeschichte umgeschrieben werden muss. Waren es nicht die beiden Grandes Dames, Figl und Raab, die als Mütter der Republik auch ihrer Partei zu ewigem Ruhm gereichten? Gut, die Eiserne Lady Witthalm ist heute ein wenig in Vergessenheit geraten. Ganz sicherlich bleibt hingegen Frau Doktor Schüssel dieses Schicksal erspart, die als Schweigekanzlerin in die Geschichte eingegangen ist. Und wer wollte abstreiten, dass gerade die Volkspartei immer wieder Damen in höchste Ämter beförderte, die ein fast revolutionäres Frauenbild repräsentierten. Die Burgenland-Gräfin Rauch-Kallat etwa oder Oberlehrerin Liesl Gehrer und neuerdings die gnadenlose Maria Fekter. Es ist somit bewiesen, dass die moderne Frauenbewegung ihren eigentlichen Ursprung in der ÖVP hat. Auch in Tirol: "Weiberleit, s’ischt Zeit!", rief einst die Sandwirtin zum Volksaufstand. Erst eine patriarchalische Historikerzunft hat das alles auf den Kopf gestellt.