Im Bundesverfassungsgericht toben noch die letzten Scharmützel um das Rauchverbot in Kneipen, die große Schlacht aber ist längst entschieden. Die Tabakkonzerne haben die USA und Europa aufgegeben. Zu viele Gesundheitsfanatiker haben hier das Sagen, zu viele Informationen über die Gefahren des Rauchens sind im Umlauf und zu viele Gesetze in Kraft.

Als unkomplizierte Absatzmärkte locken nun Russland, China, Indien und neuerdings auch Afrika. Obwohl sie das Gegenteil behaupten, haben Großkonzerne dort vor allem Jugendliche und Kinder im Visier. Sie werden damit geködert, dass sie Zigaretten auch einzeln kaufen können. In Nigeria oder Malawi ist das, wie eine BBC-Dokumentation gerade belegte, durchaus gängig. Dort richten Tabakkonzerne auch gern große Popkonzerte aus, um Jugendliche anzulocken.

Dass nun Bill Gates und Michael Bloomberg, der Bürgermeister von New York, 500 Millionen Dollar für den Antitabakkampf in den Entwicklungs- und Schwellenländern ausgeben wollen, ist, so gesehen, das richtige Vorhaben zur rechten Zeit. Mit Fördersummen von 10.000 bis 500.000 Dollar sollen Projekte zur Besteuerung von Tabakprodukten unterstützt werden, rauchfreie Arbeitsplätze und die Durchsetzung bestehender Gesetze.

Die Frage ist nur: Lässt sich Nichtrauchen wirklich allein mit Geld erkaufen? Schließlich kann ein solches Gesundheitsdiktat nur mit der Akzeptanz der Majorität der Bevölkerung – und nicht gegen sie –durchgesetzt werden. Wie es läuft, wenn die Bevölkerung auf unfreiwilligem Entzug ist, zeigt die gescheiterte amerikanische Alkoholprohibition. Auch in Deutschland war das Rauchverbot erst durchsetzbar, als nach jahrzehntelanger geschickter Kampagnenarbeit die Zigarette als uncool und Passivrauchen gleichsam als Körperverletzung galt.

Sicher: Vom gesundheitlichen Standpunkt aus ist die Idee völlig richtig. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebsfälle nehmen mittlerweile auch in afrikanischen Ländern erheblich zu; da hat eine Zigarettenschwemme gerade noch gefehlt. Doch mit seinem gesundheitspolitischen Engagement wagt sich Bill Gates auf unübersichtliches politisches Terrain. Die Afrikaner könnten ihm vorwerfen, mit seinen Gesundheitsapostel-Vorstellungen wollte er ihnen auch noch den letzten Spaß verderben. Bis Afrika rauchfrei ist, könnte es länger dauern, als es den ungeduldigen Spendern recht sein kann und ihre Millionen reichen.