Bei aller Vielfalt des Daseins – eines haben alle Menschen gemeinsam: Sie altern von der Geburt an bis zu ihrem Tod. So gesehen ist Leben nichts anderes als Altern und umgekehrt. Diese schlichte Wahrheit trägt erheblich zu dem Boom bei, den derzeit die Altersforschung erlebt und der beim bislang größten Psychologiekongress der Welt vergangene Woche in Berlin spektakulär deutlich wurde.

Die Zukunft des Alterns, die Qualität des Alterns, der Erfolg des Alterns – darüber wurde vielfältig und eloquent referiert. Die landläufige Vorstellung von Leben, die gewissermaßen saisonal eingeteilt war in Zeiten des Heranwachsens, des Blühens und Verblühens, ist von der modernen Altersforschung widerlegt. Leben, pardon, Altern ist – so lernen wir nun – ein linearer Prozess, der sich steuern lässt. Wer "Altwerden als eine lebenslange Aufgabe" begreift, wie der Heidelberger Gerontologe Andreas Kruse, der bringt am besten schon Kindern bei, dass sie nicht für die Schule, sondern für das Altern lernen. Denn das Krusesche Lernpensum lautet: Zum erfolgreichen Altern gehört die lebenslängliche Pflege körperlicher, geistiger und sozialer Aktivitäten. Anders gesagt: Wer richtig lebt, wird schöner alt.

Doch was ist mit den Lernverweigerern? Mit denen, die zu dumm, zu faul, zu krank, zu arm oder anderweitig nicht in der Lage sind, die Aufgabe des lebenslangen Alterns erfolgreich zu absolvieren? Dazu schweigt die Altersforschung leider bislang. Dabei liegt die Frage auf der Hand: Darf man auch unwissenschaftlich alt werden, sich einfach auf seinen Lebensabend freuen, wie das einstmals hieß? Oder treibt uns der Ehrgeiz der Lebensoptimierung noch bis ins Grab?