Das Leben kann so gut riechen. Zumindest, wenn man mit der Fluggesellschaft Emirates im Airbus A380 fliegt. In der ersten Klasse gibt es das Parfum von Bulgari kostenlos dazu, verspricht Scheich Achmed bin Said al-Maktum, der Chef der Fluggesellschaft.

Der Mann aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hat am Montag den ersten A380 entgegengenommen, und eine Tochtergesellschaft der deutschen Lufthansa hat ihm dazu die Häppchen ins Hamburger Airbus-Werk geliefert. Womit die Frauen und Männer eine große Ausnahme gemacht haben. Denn eigentlich arbeiten sie an diesem Tag nicht. Eigentlich streiken sie.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat den ganzen Lufthansa-Standort lahmgelegt. In Hamburg werden vor allem Flugzeuge gewartet, aber auch die Caterer von Lufthansa bereiten dort das Essen zu – für Fluggäste und für einen Scheich.

»Jetzt sind wir dran«, ist auf dem T-Shirt eines Streikenden zu lesen, der vor dem Werkstor steht. »Gute Leute, gute Arbeit, gutes Geld«, trägt ein anderer auf seiner Brust. Sie wollen 9,8 Prozent mehr Lohn. Die Leute schwitzen. Leere Wasserflaschen aus Plastik stecken zu Dutzenden in Säcken und Pappkartons, obwohl es erst zehn Uhr morgens ist. Ein wenig Ruhe ist nach den ersten Kundgebungen eingekehrt, denn viele von den 1600 Arbeitern und Angestellten, die nicht ins Werk gehen, stehen am ver.di-Zelt an, um sich mit ihrer Unterschrift das Streikgeld zu sichern. Bloß ein harter Kern von vielleicht zwei Dutzend harrt um Streikleiter Ingo Bernien am Tor aus.

»Die Leute fühlen sich ungerecht behandelt«, sagt Bernien. »Die haben sich jahrelang zurückgehalten, damit die Lufthansa gegen die Billigairlines besteht. Und jetzt macht der Konzern ein Rekordergebnis nach dem nächsten.« Da könne man nicht stillhalten, und dann blickt der Streikleiter zur nahen Tankstelle an der Ausfahrt des Geländes. »Vor allem bei solchen Preisen. Ich überlege mir jedes Mal, ob ich das Tanken rauszögere, weil ich hoffe, dass Benzin wieder billiger wird.«

Benzin verbindet den Scheich mit dem streikenden Arbeiter und seinem Chef

Benzin, immer wieder Benzin. Es verbindet sie alle, den Scheich mit den streikenden Arbeitern von Lufthansa, den jubelnden Airbus-Chef Thomas Enders mit Wolfgang Mayrhuber, den um sein Geschäft bangenden Lufthansa-Chef.