Armin Hary wollte den Rekord, unbedingt. Dafür hatte er trainiert, hart und intensiv. Angetrieben von dem Wunsch, so schnell zu laufen wie nie zuvor ein Mensch. 10,0 Sekunden über 100 Meter galten als Grenze des Machbaren in einer Zeit, in der sich die Spikes der Laufschuhe noch in Aschenbahnen bohrten. Hary wollte diese Grenze erreichen. "Wer dieses Ziel nicht hat, der schafft es auch nicht", sagt er heute, fast 50 Jahre nach seinem Weltrekord. Am 21. Juni 1960 lief Hary in Zürich die 10,0 Sekunden und damit in die Geschichtsbücher. Er hatte die Grenze erreicht. Doch schon damals wusste er, dass sein Rekord nicht für die Ewigkeit sein würde. Immerhin dauerte es acht Jahre, ehe er unterboten wurde.

Die Grenzen des Möglichen haben sich weiter verschoben. Am 31. Mai 2008 benötigte Usain Bolt für die 100 Meter 9,72 Sekunden. Vertraut man Berechnungen französischer Forscher, ist damit das Ende der Weltrekorde erreicht. Im vergangenen Winter hatte der Biomediziner Jean-François Toussaint prognostiziert, dass ein Mensch nicht schneller als 9,726 Sekunden über 100 Meter laufen könne. Auch für andere Sportarten sagte er das Ende der Rekorde voraus. Der Blick auf die Entwicklung der Höchstleistungen scheint ihm recht zu geben. Die Leistungssprünge werden immer kleiner. Rekorde werden längst nicht mehr pulverisiert. Es geht nicht mehr um Minuten oder Sekunden, sondern um Zehntel und Hundertstel, nicht um Meter, sondern um Zentimeter.

Die Athleten stoßen an ihr Limit – oft gehen sie sogar darüber hinaus. Anzeichen dafür gibt es genug. "Ich denke, dass die Grenze zum eigentlich Machbaren in vielen Bereichen schon überschritten ist", sagt Hans Geyer, Biochemiker an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Er hat in den Dopingproben, die am dortigen Institut analysiert werden, eine Zunahme unterschiedlicher Schmerzmittel festgestellt. Zwar seien diese Medikamente legal, zeigten jedoch, dass natürliche Grenzen ignoriert und Schutzmechanismen des Körpers bewusst ausgeschaltet würden, um mehr Leistung zu erbringen.

Schon im Training werden Schmerzmittel eingesetzt, um höhere Belastungen aushalten und intensiver trainieren zu können. Nicht nur beim Gewichtheben, auch in anderen Sportarten.

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Die fast selbstverständliche Einnahme von Dopingsubstanzen, wie etwa im Radfahren, ist einer der Beweise für das Erreichen der natürlichen Schwelle. Viele Sportler sind überzeugt davon, ohne leistungssteigernde Drogen nicht mehr mit den anderen mithalten zu können. Aber obwohl Athleten immer wieder zu Dopingmitteln greifen, um schneller zu laufen, weiter zu werfen oder mehr Gewicht zu stemmen, gibt es auch natürliche Ressourcen, die der Mensch nicht restlos ausgeschöpft hat – diese sucht die Wissenschaft gegenwärtig zu ergründen.

"In der richtigen Ernährung steckt ein großes Potenzial. Die meisten Sportler achten nur in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung darauf", sagt Geyer. An seinem Institut ist man mehreren leistungsdiagnostisch relevanten Parametern der Ernährung auf der Spur. Mit der Isotopen-Massenspektrometrie werden Kopfhaare analysiert. "Wir können dabei über die Veränderungen des Stickstoffisotopen-Verhältnisses Rückschlüsse auf Trainingsbelastungen und den Ernährungsstatus ziehen", erklärt der Biochemiker.