Wenig ist bekannt über Barry Pincus. Um die 60 Jahre ist er alt, seit 1981 bei Dawnay, Day und heute einer der Topmanager dieser britischen Investmentfirma. Als solcher sitzt er seit dem Frühjahr im Aufsichtsrat von Hertie. Dort dürfte sein Rat in diesen Tagen sehr gefragt sein: Dawnay, Day – mit mehr als 85 Prozent der Haupteigner des Warenhauskonzerns – steckt in Schwierigkeiten. Und damit auch Hertie. Am Donnerstag musste die Warenhauskette Insolvenz anmelden. Rund 4000 Mitarbeiter in Deutschland sorgen sich um ihre Jobs.

Hertie dürfte kein Einzelfall bleiben. Weltweit müssen Finanzinvestoren ihre Beteiligungen neu bewerten, vereinbarte Übernahmen abblasen und neue Kaufpläne zu den Akten legen. Seit einem Jahr tobt die Finanzkrise, sie drückt Aktienkurse nach unten. Kredite für Akquisitionen sind Mangelware. Die Banken haben Milliarden abgeschrieben, viele Vorstandschefs verloren ihre Posten und einige Institute ihre Eigenständigkeit. Die Angst vor dem Risiko ist zurückgekehrt, und so hat es heute schwer, wer sich von Banken Geld leihen möchte. Wer es bekommt, erhält nur kleinere Beträge, zu schlechteren Konditionen.

Nach einer Schätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) müssen Firmen, die im Besitz von Finanzinvestoren sind, bis 2010 "mehr als 500 Milliarden Dollar" an Krediten und Anleihen refinanzieren. Das Risiko, dass sie das nicht schaffen, sei für hoch verschuldete Unternehmen "substanziell" gestiegen. Zum Problem zurückhaltender Banken komme die Belastung durch ein nachlassendes Wirtschaftswachstum.

Weltweit mehren sich die Zeichen, dass die Finanzkrise, begleitet von hohen Rohstoff- und Energiepreisen, auch anderswo ihre Spuren hinterlässt. In Deutschland bauen Infineon, Henkel und Ergo Tausende Stellen ab, der Autokonzern Daimler warnt vor sinkenden Gewinnen, und die Stimmung unter den Verbrauchern ist so schlecht wie seit Jahren nicht. Ein Ende des Booms, ja selbst der Absturz in eine Rezession drohen. Das hieße: weniger Käufer in den Geschäften, sinkende Werbeausgaben der Unternehmen, ein Rückgang der Exporte ins Ausland.

Vorsichtige Banken, fallende Erträge – es wird enger für Unternehmen, die in der Hand von Finanzinvestoren sind. Zu eng?

Finanzinvestoren, so das Grundmodell, kaufen Unternehmen. Sie trimmen sie auf Profitabilität, zerschlagen sie oder fusionieren sie mit Konkurrenten, um sie nach ein paar Jahren mit Gewinn wieder abzustoßen. Finanziert werden die Übernahmen zum einen durch Eigenkapital, das Anleger bereitstellen, zum anderen durch Kredite, die dann den erworbenen Firmen aufgebürdet werden. Diese begleichen über die Jahre einen Teil der Schulden aus den laufenden Erträgen. Der Rest wird abgelöst, wenn das Unternehmen verkauft wird oder an die Börse geht. Mit dem, was vom Erlös übrig bleibt, machen die Investoren ihren Schnitt. Sie erzielen Renditen auf das Eigenkapital von bis zu 30 Prozent – aufs Jahr gerechnet.

Schwierig wird es, wenn die Schulden zu hoch oder die Erträge zu niedrig ausfallen. Katastrophal ist es, wenn beides zusammenkommt. Selbst Finanzinvestoren geben zu, dass viele Übernahmen der vergangenen Jahre auf Basis sehr optimistischer Erwartungen finanziert wurden. In einer Studie der Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) hinkten denn auch 53 Prozent der untersuchten Unternehmen in der Hand von Finanzinvestoren ihren Ergebnisprognosen hinterher – und das war im Februar. Aktuell warnt der Finanzdienstleister SCM in einer Studie davor, dass Unternehmen ihre Ertragsziele verfehlen könnten. Die Reaktionen dürften nicht lange auf sich warten lassen. Unternehmen im Besitz von Finanzinvestoren würden oft direkter geführt, sagt Burkhard Schwenker, Vorstandschef der Unternehmensberatung Roland Berger: "Es ist denkbar, dass Finanzinvestoren schneller und mit höherem Druck auf einen Abschwung reagieren als andere."

Er sieht im Retten von Unternehmen bereits "ein Wachstumsgeschäft". Ein anderer Berater unkt: "Wir machen uns derzeit alle fit in Sachen Rezession." Kanzleien, Banken und Berater bauen ihre Abteilungen für das Geschäft mit der Krise aus. Selbst Finanzinvestoren bereiten sich schon mit neuen Milliardenfonds darauf vor, notleidende Kredite aufzukaufen.