Ich fürchte, der Bungalow brennt nicht mal", sagte Konrad Adenauer, "da kann kein Mensch drin wohnen." Er meinte den neuen Wohnsitz des Kanzlers, den sein Nachfolger Ludwig Erhard im Bonner Regierungsviertel hatte errichten lassen. "Ich weiß nicht, welcher Architekt den Bungalow gebaut hat, aber der verdient zehn Jahre." Der Architekt, den Adenauer nicht nannte, hieß Sep Ruf. Hätten dieser Sep Ruf und die Architektur, für die er stand, im Nachkriegsdeutschland nicht so viele und mächtige Gegner wie den Altkanzler gehabt – unsere Städte sähen heute sehr viel eleganter aus. Es gäbe dann nicht so viele pseudomodernistische Wohn- und Büroklötze, die mit ihrer brutalen Langeweile seit den fünfziger Jahren alles verschandeln. An ihrer Stelle könnten Gebäude stehen, die an Mies van der Rohe und Richard Neutra erinnern. Doch Sep Ruf durfte leider fast nur in München und Nürnberg bauen.

Er versöhnte Glashausmoderne mit traditioneller Münchner Atmosphäre

Dieses Jahr wäre der in München geborene Ruf hundert Jahre alt geworden; zum Geburtstag widmet das Münchner Architekturmuseum in der Pinakothek dem 1982 gestorbenen Baumeister eine umfassende Werkschau. Winfried Nerdinger, der engagierte Kurator, möchte diesen zeitlebens recht stillen und deshalb weitgehend unbekannten Vertreter einer bescheidenen und klugen Architekturmoderne in Deutschland wieder ins Gedächtnis rufen. Für die Ausstellung hat er Rufs Werk nach zwei Schlüsselthemen geordnet und präsentiert diese mit Plänen, Fotos und neu gebauten Modellen.

Da ist zunächst die Verbindung moderner und traditioneller Bauformen, wie sie sich schon in einem von Rufs ersten Bauten von 1933 zeigt, einem Wohnhaus für einen Freund. Es ist ein weißer Kasten mit einem extrem flachen Walmdach, dessen Eingangsfront einerseits durch ein modernes, vertikales Fensterband vom Boden bis unters Dach geprägt ist, andererseits von einem traditionellen Rundbogen, der die Tür fasst. Auch während der Nazizeit versuchte der junge Ruf, moderne Details in seinen Bauten unterzubringen, ein Widerständler der Architektur war er jedoch nicht. Er passte sich dem geforderten Baustil weitgehend an, wurde allerdings nicht in Großprojekte einbezogen.

Nach dem Krieg gehörte Ruf weder zu den Vertretern eines totalen Abrisses noch zu den mehr oder minder verdrucksten Neotraditionalisten. In München zeigte er mit der 1957 fertiggestellten Maxburg, einem Geschäfts- und Verwaltungsgebäude am Lenbachplatz, wie man die Moderne in den alten Stadtkörper integrieren konnte. Von der alten Herzog-Max-Burg war nach den Bombardierungen nur ein Renaissance-Turm übrig geblieben. Ruf ließ ihn nicht abreißen, obwohl das die Ausschreibung damals zugelassen hätte, sondern setzte einen seiner kubischen Baukörper dahinter. Die Gliederung von dessen Fassade orientiert sich an den alten Wandfeldern des Turms, sie wirkt heute etwas bieder. Doch durch das Innere des zusammen mit Theo Pabst entworfenen Gebäudes schwingt sich, vom Innenhof gut sichtbar, eine großzügige, Raum verschwendende Treppe in Ellipsen durch die Stockwerke.

"Wir wollen keinen konsequent hypermodernen Glashausstil, sondern eine wohltemperierte, abgewogene Lösung, die auch Münchner Atmosphäre besitzt", sagte Ruf damals über sein Vorgehen. Auch bei den Neubauten für das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg zeigte er, wie jene kontextbezogene, am geschichtlichen Ort interessierte Architektur aussehen kann, von der Architekten spätestens seit der Postmoderne gern reden. Wären mehr Sep Rufs am Werk gewesen, glaubt der Kurator Nerdinger, dann würde es heute in diesem Land keine so große Abneigung gegen das moderne Bauen geben. Und der pseudohistorische Rekonstruktivismus, die Sehnsucht nach Schlössern und italianisierendem Neoklassizismus im gehobenen Wohnungsbau hätten sich vielleicht nicht so epidemisch ausbreiten können.

Sein Bonner Kanzlerbungalow wurde zum umstrittensten Bau der Republik