Julia Roberts und Willem Dafoe, die Hollywood-Königin und der Held des unabhängigen Kinos, als Ehepaar im Debütfilm eines jungen amerikanischen Regisseurs – das klingt erst einmal nach einer schönen Mischung. Dennis Lees Zurück im Sommer erzählt vom Wiedersehen einer Familie und von den eingefahrenen Psychostrukturen, die schon wieder an der Türschwelle warten. Rückblenden führen das komplizierte Innenleben der Familie vor, ohne es zu erhellen. Immer wieder wird der patriarchalische Vater seinen Sohn demütigen und die Mutter nicht mehr als ein "Ja, aber…" über die Lippen bringen. Dies ist die Urszene des elterlichen Scheiterns, und, jawohl, nach der dritten Wiederholung haben wir das auch begriffen. Willem Dafoe spielt sie mit immergleichem Ingrimm und Julia Roberts mit stets schockiert geöffnetem Mund. Es mag ja sein, dass Schauspieler durch Zufall oder schlechte Agenten an wiederkäuende Drehbücher geraten, aber Roberts und Dafoe sind hier die allzu ergebenen Kühe im Stall. Anke Leweke

Schnell merkt man, was an Gary Hickenloopers Film über die Warhol-Muse Edie Sedgwick so stört. Edies erster Besuch in Andy Warhols legendärer Factory ist ein Witz. Vom kreativen Chaos dieses mythenumrankten Orts ist in Factory Girl wenig zu spüren; alles sieht einen Tick zu arrangiert aus. Würde sich nicht gerade ein nacktes Model einen Schuss setzen, könnte hier ebenso gut ein Töpferkurs stattfinden. Kein anderes Warhol-Geschöpf verkörperte das Diktum von den 15 Minuten Ruhm besser als Edie, Tochter aus gutem (und selbstverständlich dysfunktionalem) Elternhaus, die die New Yorker Partyszene der sechziger Jahre eroberte. Ihre Kurzauftritte in Warhol-Filmen prägten den coolen Ennui der neuen Pop-Avantgarde. Nicht nur Warhol liebte hübsche Gesichter, in deren leeren Blicken auch ein ferner Schmerz zu liegen schien. Doch das Faszinierende an Edie Sedgwick bleibt in Factory Girl bloße Behauptung, unterstrichen vom aggressiven Blitzlichtgewitter der Fotografen. Sienna Miller, die ebenfalls vor allem fürs Berühmtsein berühmt ist, versucht sich in ikonischen Posen ohne einen Funken Ausstrahlung. Edie wollte nichts anderes, als von der Welt geliebt zu werden. Wenigstens ahnte man bei ihr noch, wofür. Andreas Busche

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