Es rächt sich, wenn man den Burdas keine Interviews gibt.

Erinnern Sie sich an Poohs Corner in der ZEIT vom 17. Juli 2008? Ich mich aber. Da hatte ich von der Buchpremiere des Romans Was treibt Sammy an? von Budd Schulberg in Clärchens Ballhaus in Berlin berichtet. Was ich nicht ahnen konnte, war, daß der Focus das Buch per 14. Juli rezensiert hatte. Warum ich das nicht ahnen konnte? Weil ich den Focus genauso wenig lese wie Sie. Und meine Schutzengel, Sbirren und Gönner lesen ihn auch nicht. Das ist bei mir keine Prinzipienfrage, sondern ich habe mir sogar schon mal einen gekauft, in Norden/Ostfriesland am Bahnhofskiosk. Da hatte ich die Wahl zwischen SportBild, ComputerWelt, Pralle Möpse und Focus . Nächstes Mal bin ich klüger. Im Focus wurde die Stelle, wo die Bücher besprochen werden, mit einer stilisierten Federhalterfeder wie aus dem Letraset gekennzeichnet, was zwar einprägsam ist, gleichwohl aber bereits in unserer Schülerzeitung als zu schnarchig verworfen worden war. Und die NPD wurde für uns Doofe in Klammern als "Nationalistische Partei Deutschlands" erklärt. Dabei skandierten damals schon die "Freien Kameradschaften": "Wer hat uns verraten? / Nationaldemokraten!" Wäre es nach Focus gegangen, hätten sie bestenfalls geklagt: "Wer schützt uns Faschisten / vor Nationalisten?" Indes unerheblich.

Nun lese ich also nach langer Zeit wieder den Focus:

Die Neuübersetzung von Harry Rowohlt hält sich eng an die gar nicht so alte Fassung von 1993 und fällt vor allem durch sprachliche Entgleisungen auf. Eine "Ische" beispielsweise hat im Hollywood jener Jahre nichts verloren; da nannte man Mädchen "Babys" oder "Mäuse". Rowohlts Anmerkungen verraten eher seine Ahnungslosigkeit; stattdessen hätte man sich ein informatives Nachwort über Schulberg und sein Umfeld gewünscht.

Ich mich also eingeschnappt wie die Jungfrau im Mond-Aszendenten hingesetzt ("hingesetzt": Das gehört auch in Flann O’Briens Offizielles Langweilerverzeichnis. Immer wenn was ist, setzen sich die Leute hin. Als hätten sie vorher gestanden) und einen Leserbrief geschrieben, der sich den Harnisch gewaschen hatte:

Das war ja wieder knallhart recherchiert. Meine Neuübersetzung hält sich nicht "eng" an die Fassung von 1993, weil ich die gar nicht kenne, und das schöne Wort "Ische" hat es vom Hebräischen (ischa, das Edelweib; vgl. Thomas Manns Josephsromane) über das Rotwelsche bis ins Mopedfahrerdeutsch geschafft, ist also altehrwürdig genug für das Hollywood von 1941. Natürlich verraten meine Anmerkungen meine Ahnungslosigkeit. Wegen meiner Ahnungslosigkeit habe ich nachgeschlagen, und was ich gefunden habe, kam in die Anmerkungen, und wenn sich der Focus- Anonymling stattdessen ein informatives Nachwort über Schulberg und sein Umfeld gewünscht hätte, hätte er die informative Einleitung und das informative Nachwort, beide von Schulberg, lesen können.

Denn wenn mir, egal, von wem, unterstellt wird, ich kupferte ab, dann ist das ehrschädigend und geschäftsabschneiderisch, so daß ich etwas unternehmen muß, selbst auf die Gefahr hin, daß ich mich dazu hinsetze.