Wo sehe ich in Kanada Bären? Und kann ich dort meinen deutschen Föhn benutzen? Solche Fragen stellen sich Urlauber, die ihre Reise selbst organisieren. Bei der Suche nach Antworten schauen sie immer häufiger ins Internet. Denn dort treffen sie auf Touristen, die ihre Erfahrungen austauschen - in einer der zahlreichen Reisecommunitys.

Urlauber wollen ihre Reise nicht mehr fertig vorgesetzt bekommen, sondern an der Planung teilhaben. Das besagt eine Studie im Auftrag der Hochschule Luzern zu "Web 2.0 im Tourismus". Zum "Web 2.0", dem Mitmachweb, gehören Foren, Blogs oder Wikis – Lexika, an denen sich alle beteiligen können. So kann der Nutzer sein Wissen einbringen. Eine Community ist ein virtuelles Netzwerk, das zum Teil auch auf verschiedene Anwendungen des Web 2.0 zurückgreift. So gibt es zum Beispiel Reiseblogs der Teilnehmer, also virtuelle Tagebücher.

Auf den Internetseiten tauschen die Nutzer ihre Reiseerlebnisse aus, laden Bilder hoch oder empfehlen Hotels. Manchmal legen die Nutzer ein eigenes Profil mit Reisevorlieben oder -plänen an, etwa bei virtualtourist.com, einem der bekanntesten Portale. Allein auf dieser Seite findet man eine riesige Auswahl an Reisetipps, die etwa eine Million Mitglieder kommen aus rund 220 Ländern. Weitere größere Communitys sind boo.com, globalzoo.de, tripflip.de, tripsbytips.de oder tripadvisor.de. Auch gibt es Communitys, die sich an eine bestimmte Zielgruppe richten: yabadu.de etwa ist vor allem für Wanderer interessant.

Hat man eine Community gefunden, in der man sich wohlfühlt, können die Mitglieder einem bei der Planung helfen oder Kontakt zu Reisegefährten ermöglichen. Man muss sich kein eigenes Profil einrichten, sondern kann auch anonym von den Tipps der anderen profitieren. So erfährt der Nutzer etwa auf globalzoo.de, wie er in Kanada seinen Föhn verwenden kann. Im Forum steht folgender Eintrag: "Ich habe in Kanada die Erfahrung gemacht, dass mein Föhn ungefähr noch die Leistung eines Taschenventilators erbringt." Die Lösung: Zusätzlich zu einem Reiseadapter solle man bei Geräten, die nur bei 230 Volt betrieben werden können, noch ein Umspanngerät mitnehmen. "Gibt es für 15 Euro am Flughafen!", schreibt jemand anderes.

Auch Verlage setzen neuerdings gerne auf virtuelle Netzwerke. So gibt es seit einiger Zeit die Geo -Reisecommunity. Die besten Fotos und Berichte werden im Magazin veröffentlicht. "Die Community schafft Reichweite für geo.de und ist natürlich auch ein Marktbarometer für den Verlag", sagt Gerd Brüne, Verlagsleiter der Geo -Gruppe. In der Community beobachtet er einen großen "Hilfe-Spirit". Dann wird wohl eines der mehr als 8000 Mitglieder auch wissen, wo in Kanada Bären in der freien Wildbahn zu sehen sind? Tatsächlich gibt es einen Reisebericht, der von der Begegnung mit einem Bären im Strathcona-Nationalpark berichtet. Das Mitglied Beate befolgte einen Tipp vom Ranger, und schon hatte sie Glück: "Auf unserer Wanderung durch die Bergwelt finden wir den von den Rangern beschriebenen Abhang und warten bis zum späten Nachmittag. Und wirklich, es klappt. Ein ausgewachsener Bär strolcht durch das Gebüsch." Den Tipp gibt sie nun über das Netzwerk weiter.

Die Tourismusbranche hat die Netzwerke zusätzlich als Instrument entdeckt, um Kunden zu erreichen. So unterhalten etwa Reiseführeranbieter wie Lonely Planet oder Marco Polo, aber auch Firmen wie Globetrotter eigene Communitys. Der neueste Trend ist, dass Fremdenverkehrsämter ihre Internetportale durch eine Community ergänzen oder ganz neue Portale schaffen. So können sie mehr über die Vorlieben ihrer Kunden erfahren. Außerdem glauben laut der Studie der Hochschule Luzern Reisende Bewertungen von anderen Reisenden eher als herkömmlich erstellten Inhalten auf der betriebseigenen Website.

Besonders kreativ ist das kanadische Fremdenverkehrsamt. Neben der Hauptseite betreibt es Portale, die sich an bestimmte Zielgruppen richten. Mit der Internetseite cleverwoman.de gibt es ein eigenes Forum nur für Frauen. Auf den ersten Blick bringt man das Portal nicht mit einem Fremdenverkehrsamt in den Zusammenhang, dabei ist die Seite reines Marketing. Prominente wie Lilo Wanders oder Sarah Wiener werden auf Reisen geschickt und schreiben dann einen Blog, der Lust auf Kanada machen soll. Und was ist, wenn die Promis sich über Kanada beschweren? "Das dürfen sie", sagt Jens Rosenthal, Marketingchef der Canadian Tourism Commission. Die wenige Kritik, die geäußert wird, wirkt allerdings eher harmlos: Die Moderatorin Katrin Bauernfeind etwa mault, dass es zum Frühstück immer nur Toast oder Bagels gibt. "Die Weblogs schaffen Vertrauen", sagt Rosenthal. So können gezielt Angebote vermarktet werden, die an den Bedürfnissen der Gemeinschaft ausgerichtet sind. Auf der vermeintlichen Info-Seite werden den Frauen sogleich Reiseangebote unterbreitet: "Heli-Yoga", tolle Strände oder Eco-Lodges oder Skifahren nur für Frauen.