Die ubiquitäre Rede von Prominenten ("aus Politik, Sport und Gesellschaft"), die auch dem gutwilligsten Zeitgenossen den Medienkonsum verbittern kann, verdunkelt den Umstand, dass Prominenz im lateinischen Wortsinne noch keine Berühmtheit, sondern nur etwas Hervorstehendes meint. Man kann also beispielsweise von einem prominenten Hinterteil sprechen, ohne dass dieses deswegen schon berühmt ist. Vielmehr ist es zunächst nur ein hervorstehendes Hinterteil, was nicht ausschließt, dass es wegen dieser Eigenschaft einmal berühmt wird und sogar seinen Besitzer prominent macht. Grund dafür wäre dann wahrscheinlich die prominente, nämlich bevorzugte Behandlung von Hinterteilen in den Medien. Auf diese Weise entsteht, was Medienprominenz genannt wird, also ein Sichvordrängeln in der Öffentlichkeit, was wiederum der Prominenz mancher Körperteile entspricht, die sich auf Kosten der Restperson der Wahrnehmung aufdrängen. Diese vielleicht sehr herzige Person verkümmert zum Anhängsel des prominenten Körperteils, was wiederum nur eine Analogie zu dem Vorgang in den Medien ist, der Prominenz erzeugt. Auch hier verkümmert etwas, nämlich die Erziehung zur Bescheidenheit. Jens Jessen

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