Weil auch England inzwischen nicht mehr so aussieht wie England, bedroht die Anglophilen in Deutschland nun die kulturelle Heimatlosigkeit. Nicht einmal der Jaguar in der Garage wird in Zukunft noch Trost spenden. Denn der neue, der Jaguar XF, ist nicht länger ein rollendes Klassikmöbel, er ist – stilistisch betrachtet – zur globalen Limousine verwandelt worden, die sich von einem Lexus, einem 5er BMW, dem E-Klasse-Mercedes oder dem Audi A6 nur durch größere Raubkatzenanmutung und ein hochgezogenes Heck unterscheidet. Dieses soll das Trumm coupéhafter, sportlicher erscheinen lassen.

Man braucht sich also nicht länger mit grauer Flanellhose und dunkelblauem Jackett zu verkleiden, um seinen Jaguar aus der Werkstatt zu holen. Andererseits weiß man überhaupt nicht mehr, was man für dieses Auto noch anziehen soll. Der Altfan runzelt beim XF erst einmal die Stirn. Und was bedeutet das für die etwas in die Jahre gekommene Marke? Jedenfalls noch nicht die Zukunft. Auch wenn der XF, seit März auf dem Markt, alles Retrohafte vermeidet, so umschattet ihn doch etwas Spätzeitliches. Klar, er rollt aufs Schönste in der Landschaft, besonders wenn die Autobahn ganz frei ist. Aber im Innenstadt-Gedränge kommt doch etwas Albatroshaftes, Bewegungsschweres zum Tragen, etwas, das nur durchs Gaspedal behoben werden kann. Mit guten 25 Litern pro 100 Kilometer schlägt es in Tank und Portemonnaie ein.

Ich habe diesen Wagen zwei Herren vorgeführt, die im Grunde ihres Herzens weiterhin den großen motorisierten Auftritt lieben und in diesem Zusammenhang sogar noch das abscheuliche Wort pussy magnet buchstabieren können. Männer im besten Alter des edlen Verwelkens – da ja ein Jaguar XF in der Welt der wirklich Hippen anscheinend keinen Platz mehr hat. Beide schüttelten den Kopf: Im Sinne des echten Glamours funktioniere der nicht mehr. Dann stiegen sie in ihre resignativen Einser-BMWs und fuhren davon. Ich kann das nur so schildern, ich weiß nicht, ob sie recht haben oder nicht. Eine gewisse Ahnung blieb zurück, dieses Fahrzeug sei groß ohne Großzügigkeit. Zu hoch der Benzinverbrauch, zu gering die kulturelle Emission. Spaß machte er trotzdem; alle vier Frauen, die ich mitfahren ließ, waren voll des Lobes. Beim Rückwärtsfahren nicht mehr den Kopf herumreißen zu müssen und sich stattdessen per Heckkamera vom Display aus führen zu lassen, so was spendet Männern, die’s im Rücken haben, überdies eine echte kleine Freude.

Technische Daten:

Motorbauart: V8-Benzinmotor
Leistung: 219 kW (298 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 6,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO²-Emission: 264 g/km
Durchschnittsverbrauch: 11,1 Liter
Basispreis: 62.180 Euro