Südosseten, Nordosseten, Abchasen, Synchronspringen vom Dreimeterbrett, Herrensäbel, Hungerast, Huaiwen Xu, Kim Jaebum, Prapawadee Jaroenrattanatarakoon – zuletzt haben wir viel gelernt über Länder, Leute und Lebensweisen, die entschieden exotischer klingen als, sagen wir mal, Überraschungsei. Erstaunlich nur, dass unter all den Dingen, die sich irgendwie ansteckend, zumindest ungesund anhören, nicht eins ist, das mal verboten werden sollte, das Überraschungsei hingegen schon. Wahrscheinlich liegt das daran, dass man Herrensäbel nicht essen und mit Südosseten nicht spielen sollte. Oder umgekehrt. Und auch daran, dass die Abchasen keine Kinderkommission kennen und Prapawadee Jaroenrattanatarakoon schlicht zu undeutsch daherkommt, um der des Bundestages angehören zu dürfen.

Besagte Kommission wollte nun das Überraschungsei ein für alle Mal abschaffen. Die Kleinen könnten ja Essen mit Spielen verwechseln und aus Versehen in die Schokolade beißen, sodass Ulla Schmidt, Ursula von der Leyen, Horst Seehofer und das Internationale Komitee des Roten Kreuzes eine Kampagne gegen Fettleibigkeit im Vorschulalter starten müssten. Die Kosten hierfür drohten aber die Konsolidierungspolitik der Koalition zu gefährden, weshalb alles so bleibt, wie es ist. Das Überraschungsei darf nicht sterben. Genervten Vätern, denen das Basteln im Auftrag ihrer Dreijährigen schon seit geraumer Zeit gewaltig auf den Senkel geht, bleibt daher nur eins: den Nachwuchs auf den Hungerast setzen. Aber schön aufpassen, dass der dazugehörige Baum nicht in Südossetien steht. Peter Dausend