Der irische Billigflieger Ryanair will trotz des hohen Ölpreises vorläufig bei seiner aggressiven Preispolitik bleiben. Sein Chef Michael O’Leary hat den Passagieren versprochen, die Preise nicht zu erhöhen und auch keinen Kerosinzuschlag zu erheben. Die Billigflieger sind zurzeit in arge Nöte geraten, weil die Spritpreise steigen, viele Verbraucher sparen und eine Ära des ruinösen Wettbewerbs unter den Fliegern zu Ende geht.

Ryanairs Geschäftsjahr könnte mit einem Verlust von rund 60 Millionen Euro enden. Von seinem Versprechen rechnet sich der Ire aber einen hübschen Erfolg in der öffentlichen Wirkung aus. Sein oberstes Ziel sei es, die Kunden zu "beglücken", erklärte er vor Kurzem.

Offenbar meint er damit aber nicht alle Kunden. Auf keinen Fall die etwa 1.000 Passagiere täglich, die ihren Ryanair-Flug auf Schnäppchen-Seiten wie Bravofly.de kaufen. Sie machen etwa 0,5 Prozent aller Buchungen aus. Seit Montag nimmt Ryanair ihre Buchungen nicht mehr an. "Wer nicht direkt bei Ryanair bucht, bekommt den Flugpreis erstattet, kann aber nicht mit uns fliegen", erklärt O’Leary.

Seinen ungewöhnlichen Kampf gegen die Drittanbieter begründet er damit, dass sie mit ihrem eigenen Vermittlungsaufschlag von 25 bis 50 Prozent "das Preisgefüge von Ryanair verzerren". Im Übrigen gebe es keine Absprachen über eine Zusammenarbeit.

Bei Bravofly gibt man sich gelassen. "Ryanair hat rechtliche Schritte eingeleitet, nun wollen wir erst mal abwarten und sehen, ob die wirklich so töricht sind und ihre eigenen Passagiere am Boden stehen lassen", erklärt die Sprecherin Rosangela Leone. Bravofly liefere seinen Kunden einen erstklassigen Dienst, mit dessen Hilfe sie die billigsten Flüge aussuchen könnten. Ryanair sei dabei "keineswegs immer der günstigste Anbieter", fügt Leone hinzu.

Ob Ryanair am Ende tatsächlich so hart durchgreift, bleibt abzuwarten. Ein Teil des Erfolgs der irischen Firma kam schon immer aus aggressiver Werbung und Publicity-trächtigen Aktionen zustande. Der Airline-Chef O’Leary lässt keine Gelegenheit aus, sich effektvoll öffentlich zu streiten. Bis die Gerichte dann entscheiden, sind vielleicht nicht nur die Sommerferien vorbei. (JFJ)