Billy Wilder: Frau ohne Gewissen

Im Film noir wirft die dunkle Seite des Lebens ihre Schatten voraus. Nur auf den ersten Blick ist der Dialog zwischen dem Versicherungsagenten Walter Neff (Fred MacMurray) und Phyllis Dietrichson (Barbara Stanwyck) wunderbar frivol. Ahnungsvoll erzeugen die heruntergelassenen Jalousien im feudalen Salon ein Gittermuster, das sich über das Gesicht des Ahnungslosen legt. Der Mann ist in der Falle, ohne es zu wissen: als fehlendes Rädchen in einem Mordkomplott. Mit harten Kontrasten und schrägen Linien skizziert Billy Wilder in Frau ohne Gewissen (1944), seiner dritten Regiearbeit in Hollywood, eine korrupte Gesellschaft. Hier trifft die abgebrühte Sprache von Raymond Chandlers Krimis auf das mysteriöse Licht-und-Schatten-Spiel des deutschen Expressionismus. Anke Leweke

UFA, 1 CD, mit Bonusmaterial 146 Min.