pop

Jedes Forschungslabor unterrichtet die Öffentlichkeit über die neuesten Versuche. Chemical Chords, das neue Album von Stereolab, bleibt insofern dem Bandnamen treu, als es an ein gesungenes Bulletin aus dem Labor für Pop-Permutationen erinnert. Stereolab haben verschiedenste Versuchsapparaturen aufgebaut, beschwingte Bläser, ein trockenes Jazz-Schlagzeug, Soundcomputer, die gewissermaßen aus den Erlenmeyerkolben und Reagenzgläsern hervorblubbern, zwischen denen die Sängerin Laetitia Sadier mit blumenbedrucktem Kittel und Designerschutzbrille umherschlendert.

Ihr melodischer, mal auf Französisch, mal auf Englisch vorgetragener Gesang drängt nie in den Vordergrund, sondern mischt sich dezent unter die Streicher, Orgeln und schüchternen E-Gitarren. Bemerkenswert, dass beim Hörer kaum ein Song hängen bleibt, wohl aber ein sehr konkreter Gesamteindruck: Es ist die Monotonie des Easy Listening, die durch eine vielschichtige Produktion den Avantgardeanspruch deutlich macht. Stereolabs Musik hat etwas Treibendes, aber keinerlei Aggressivität. Nach außen entspannt, doch nervös unter der Oberfläche. So hingetupft sich alles anhört, so üppig ist das Arrangement. Die Songtitel beschreiben Szenen und Stimmungen: Silver Sands, Cellulose Sunshine, Fractal Dream of a Thing. Letzterer verbindet die Welten von Forschungslabor und Pop-Impressionismus: Im fraktalen Traum sehen alle Einzelteile so aus wie das große Ganze. So ist auch Chemical Chords: ein bewusst unscharfes Gemälde, das aus lauter Soundtüpfelchen besteht. Christian Kortmann

Stereolab: Chemical Chords

4AD/Beggars Group/Indigo