Die Deutschen müssen im Alter offenbar länger durchhalten, wenn sich staatlich geförderte Renten lohnen sollen. Zwar steigt die Lebenserwartung kontinuierlich an. Glaubt man aber der Zeitschrift Ökotest, reicht das bei den allermeisten Rürup-Renten noch lange nicht aus, um einen guten Schnitt zu machen. Die Tester berechneten unlängst, dass man mindestens 100 Lebensjahre anpeilen muss, wenn man von der Rürup-Rente wirklich profitieren will. Wer früher stirbt, so das traurige Ergebnis, kann sich nicht einmal sicher sein, ob er bis zu seinem Tod das Kapital wieder rausbekommt, das er zuvor über Jahre eingezahlt hat.

Die Rürup-Rente, die der Staat während der Ansparphase mit Steuervorteilen fördert, ist insbesondere für Selbstständige gedacht. Weit mehr als eine halbe Million Rürup-Verträge sind bislang schon abgeschlossen worden. Das angesparte Kapital wird später nicht als Gesamtsumme ausgezahlt, sondern in Raten, und das lebenslang. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein solcher Vertrag letztlich immer ein bisschen wie eine Wette auf das eigene Todesalter funktioniert. Das teure Risiko eines langen Lebens muss auf die Versicherungsnehmer verteilt werden.

Nur darf dieses Risiko nicht maßlos strapaziert werden. Wie alt wird jemand, der fürs Alter vorsorgt, wirklich? Die Anbieter argumentieren, dass diese Menschen in der Regel nicht nur glauben, älter zu werden als der Schnitt, sondern damit auch recht behalten. Deshalb kalkulieren die Versicherer mit ihren eigenen Sterbetafeln und nicht etwa mit den Werten, die das statistische Bundesamt vorhersagt.

Das erklärt immerhin, warum die Werte von Amt und Versicherungen überhaupt differieren. Doch die feine Art ist es nicht. Denn davon auszugehen, dass Menschen, die ein bisschen besser auf sich achten als andere, dann gleich so viel älter werden, spricht dafür, dass Versicherungen zu eigenen Gunsten unfair rechnen. Baut das System von Anfang an darauf, dass nicht die Versicherten, sondern die Versicherungen besonders hohe Renditen zu erwarten haben, dann ist es grotesk, dass der Staat dieses Vorgehen fördert.

Für Methusalem würde sich Rürup trotzdem lohnen. Er wurde der Bibel nach viele Hundert Jahre alt. Er zeugte aber auch viele Söhne und Töchter – und musste sich über Umlageverfahren, Rentenlücke und demografische Probleme nicht den Kopf zerbrechen. Wir müssen uns Methusalem als einen glücklichen Menschen vorstellen. anna marohn