Haben Sie gut geschlafen? Ah, ich verstehe. Lesen Sie diese Rubrik häufiger? Auch nicht. Habe ich Sie nicht irgendwo schon mal gesehen? Gute Fragen an den Anfang zu stellen ist verdammt schwer, und gerade in dieser Zeitung werden sie nicht gern gesehen. Es gibt jemanden, der nur dafür eingestellt wurde, Fragen aus den Artikeln der anderen zu entfernen. Dieser Kollege ist einen Tag in der Woche da, kurz bevor die Zeitung gedruckt wird. Heute ist er krank. Er sagt mir immer, Journalisten sollten so schreiben, dass sie Fragen überflüssig machen. Antworten ja, ruft er, aber keine Fragen! Dieser Text ist ein Experiment, ich will dem Kollegen beweisen, dass es anders geht. Denn diese Zeitung wäre fragwürdiger, wenn er öfter krank wäre. "Hat China die Spiele verdient?" als Schlagzeile und darunter: "Solange es dafür bezahlt." Das wäre dynamisch, dialogisch und direkt. Denn es ist doch so: Alles, was Sie von uns wollen, sind kluge Antworten, dabei kriegen Sie die nur, wenn wir die Fragen stellen. Stimmt’s? Und fast immer ist eine Frage klüger als ihre Antwort. "Why is Falstaff fat?" zum Beispiel war so gut, dass ich nicht weitergelesen habe. Manchmal ist eine Antwort auch dümmer als die Frage. "Wer war Willy Brandt?", fragte eine Studie 14-jährige Schüler und bekam zur Antwort: "Ein DDR-Politiker." Selbst schuld. Ich könnte Ihnen hier Fragen stellen, die Sie bis zur nächsten Ausgabe nicht vergessen würden. Fragen wie diese: "Mit wem fühlen Sie sich wohler: mit einem Partner, der doppelt so attraktiv ist wie Sie, oder mit einem, der nur halb so attraktiv ist?" Wenn Ihnen die zu vulgär ist, eine letzte: "Würden Sie gern Ihr genaues Todesdatum wissen?" Fragen zu stellen ist die älteste Kulturtechnik der Menschheit. Im Laufe der Evolution haben sich in Afrika zwei Lager gebildet. Die einen drifteten weg nach Australien, die anderen wanderten nach Südostasien. Einen Australier sollte man besser nichts fragen. "Je öfter du unterwegs fragst, wie weit du zu gehen hast, umso länger wird dir der Weg erscheinen" ist ein australisches Sprichwort, und die Wege dort sind ziemlich lang. Japaner dagegen sind weniger anwendungsorientiert, dort sagen sie: "Frage, wenn du sonst niemanden hast, dein Knie." Ich bin Japaner. Verstehen Sie, was ich meine? FINIS