Der Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Schmetterlingsforscher Vladimir Nabokov ist ein Klassiker der literarischen Moderne. Er wurde 1899 in Sankt Petersburg geboren, seine Familie gehörte der wohlhabenden, kosmopolitischen Oberschicht Russlands an. Nabokovs Vater war ein schriftstellerisch und politisch ehrgeiziger Jurist. Seine Kindheit verbrachte Nabokov auf den Landgütern der Familie oder auf Reisen durch europäische Metropolen, bevorzugt in Paris, Biarritz und an der Riviera. Von Gouvernanten und Privatlehrern erzogen, sprach er schon als kleiner Junge fließend Englisch und Französisch. Er jagte Schmetterlinge, war ein leidenschaftlicher Leser und veröffentlichte mit 17 Jahren seinen ersten Gedichtband. Nach der russischen Februar-Revolution floh die Familie Nabokov zunächst nach Jalta, später nach London und Berlin. Nabokov erhielt ein Stipendium und studierte am Trinity College im englischen Cambridge Naturwissenschaften sowie russische und französische Literatur. Nach seinem Studium lebte er als Staatenloser in Berlin und verdiente sich sein Geld als Schauspieler, Privatgelehrter und Übersetzer. Er schrieb Prosastücke, und mit seinen Romanen Maschenka und König, Dame, Bube gelangen ihm erste Achtungserfolge. Im März 1922 starb Nabokovs Vater in Berlin bei dem Versuch, einen monarchistischen Attentäter zu entwaffnen. 1934 wurde Nabokovs Sohn Dmitri geboren (auf dem Foto links); 1940 zog die Familie in die USA, wo Nabokov, nebenbei ein anerkannter Schmetterlingskundler, an den berühmtesten Universitäten des Landes Karriere machte. Mit seinem in Amerika zuerst verbotenen Roman Lolita (1955) kam der Schriftsteller zu Weltruhm. 1961 zog er sich mit seiner Frau nach Montreux an den Genfersee zurück, wo er 1977 starb. Zu seinen Meisterwerken zählen Die Gabe, Der Zauberer, Pnin, Fahles Feuer und Ada oder Das Verlangen . – Sein nachgelassenes Manuskript The Original of Laura, so lautete Nabokovs Letzter Wille, sollte von seinem Sohn verbrannt werden. – Unser Autor, der Journalist Malte Herwig, hat Dmitri Nabokov in seinem Haus in Montreux getroffen; wir zeigen erstmals vier der Karteikarten, auf denen der Vater sein letztes Werk zu Papier gebracht hatte.

Foto: Philippe Halsman/Magnum/Agentur Focus