1. Monatelang ist der Ölpreis von Rekord zu Rekord geeilt, und jetzt stürzt er ab. Ist was passiert?

Nein. Ein klarer Auslöser für diesen Preisrutsch fehlt. Die Experten streiten sich darüber, warum der Preis für ein Fass Öl so schnell fiel – von mehr als 144 Dollar Mitte Juli auf zeitweise unter 113 Dollar.

Eine ganze Reihe von Gründen und Auslösern kommt infrage. Wie teuer das Öl ist, ergibt sich aus dem Angebot und der Nachfrage. Das Angebot ist die laufende Förderung von Öl: Sie ist seit 2005 kaum noch nennenswert gestiegen, was an mangelnden Investitionen lag, an technischen Problemen in einigen wichtigen Ölförderländern und an politischen Unruhen und Anschlägen in Ländern wie Nigeria. Die Nachfrage hingegen zog Monat für Monat kräftig an, weil die Weltwirtschaft brummte und Schwellenländer wie China und Indien rasant wuchsen. Dafür brauchten sie auch gewaltige Mengen Öl.

Neuerdings aber geht es der Weltkonjunktur schlechter, und zugleich scheint die ganz große Ölknappheit vorüber zu sein. Erst sprach der amerikanische Notenbankchef Benjamin Bernanke von einer möglichen Rezession in den USA. Viele erwarten diese ohnehin, doch aus Bernankes Munde hatte das Urteil besonderes Gewicht. Dann kam aus Europa eine ganze Serie schlechter Nachrichten, etwa über sinkende Gewinne und niedrigere Auftragszahlen.

Die weltweiten Ölreserven hingegen sind zuletzt ein wenig gestiegen. Das kann man auf zweierlei Weise interpretieren: Entweder hat eine dümpelnde Wirtschaft weniger Öl verbraucht, oder es wurde zusätzliches Öl gefördert. Der Irankonflikt scheint sich zu entschärfen, was die Wahrscheinlichkeit eines Krieges in einer wichtigen Förderregion senkt. Dass Russland Georgien bombardiert, hat den Ölpreis eigenartigerweise nicht belastet, obwohl dort wichtige Pipelines verlaufen. "Bislang hat man an den Märkten offenbar den Eindruck, dass dieser Konflikt nicht weiter eskaliert", vermutet Frank Umbach vom Berliner Center for European Security Strategies.

Wahrscheinlich ist der Ölpreis also deshalb so schnell gefallen, weil in kurzer Zeit viele Nachrichten zusammentrafen, die in die gleiche Richtung deuteten: Weniger Ölnachfrage! Mehr Öl! Was sich schnell wieder ändern kann. "Im Augenblick ist es etwa gleich wahrscheinlich, dass der Ölpreis weiter fällt oder wieder etwas steigt", sagt James Hamilton, ein Ölmarktexperte an der University of California in San Diego. Fragt man Energieexperten nach ihren Prognosen, bekommt man derzeit jeden erdenklichen Wert zwischen 60 und 200 Dollar pro Fass genannt.