Großtiere prägen nicht nur das Leben im Meer, sondern auch an Land. Besonders wirksame Landschaftsgärtner sind die Rüsseltiere. Wie Elefanten die Steppe zu ihren Gunsten gestalten, weiß der Bremerhavener Meeresbiologe Victor Smetacek aus eigener Erfahrung. Der gebürtige Inder hat schon als Jugendlicher Dauerkonflikte mit den Dickhäutern erlebt. In seiner Heimat, einer großen Grassteppe am Fuß des Himalaya, hatten seine Landsleute Teakholzbäume gepflanzt. Das passte den wild lebenden Elefanten nicht, sie zerstörten die Plantagen – regelmäßig, auch wenn die Menschen sie wieder anlegten. In jahrelangen Auseinandersetzungen mit den geschützten Tieren gab es mehrere Tote. Schließlich blies man zur Jagd.

Smetacek hatte schon als Zehnjähriger vom Vater ein Schießeisen erbettelt, und der 23-Jährige brannte darauf, damit einige als besonders zerstörungswütig bekannte Bullen zur Strecke zu bringen. »Wir mussten sie nicht lange suchen, sie waren kilometerweit zu hören«, erzählt er. »Sie liefen nicht etwa zwischen den Teakbäumen hindurch, sondern walzten krachend direkt über sie hinweg.« Er half, vier dieser Bullen zu erlegen. »Ja, ich war damals ein blutrünstiger Jäger«, gibt er zu. Doch längst hat er die Fronten gewechselt. Wäre er nicht als Wissenschaftler in Deutschland hängen geblieben, hätte er am liebsten im indischen Forstministerium als Wildhüter angeheuert. Die Zukunft der Asiatischen Elefanten sieht Victor Smetacek düster: »Die rasch wachsende Bevölkerung, die zunehmende Landnutzung rauben ihnen den Lebensraum.«

Auch der Afrikanische Elefant, das größte Landsäugetier der Welt, bedroht den heimischen Baumbestand. Die Bäume hatten sich im Tsavo-Nationalpark von Kenia gut erholt, als die von Wilderern dezimierte Elefantenpopulation klein war. Dank intensivem Schutz wuchsen die Herden wieder kräftig an – und machten die Bäume platt. Immer wieder drängen Dickhäuter aus afrikanischen Nationalparks auf umliegende Felder. Auch die lokale Bevölkerung wächst, dringt ihrerseits in Schutzgebiete vor. So geraten sich Groß- und Kleingärtner ins Gehege. Solche Kämpfe wogen seit Jahrtausenden, und wo der Mensch auftauchte, verschwanden die Rüsseltiere (siehe Karte).

Zur landschaftsgärtnernden Megafauna der großen Grasfresser zählten nicht nur die Elefanten, sondern ebenso Bisons, Wildpferde, Auerochsen, Rentiere, Elche, Hirsche, Antilopen oder Gnus. Sie hielten weite Landstriche offen, denn ihre Hauptnahrung gedieh so besser als im dichten Wald. Und auch sie wurden vom Menschen verdrängt, der nun selbst die Landschaft prägte.

Früher hieß es, die Artenvielfalt Mitteleuropas sei der alten bäuerlichen und forstlichen Kleinwirtschaft zu verdanken. Verschwände der Mensch als Kultivator, verkäme Mitteleuropa zum langweiligen, artenarmen Buchenwald. Mit viel Aufwand halten Naturschützer deshalb alte Kulturlandschaften offen, mähen Wiesen und bewahren menschengeschaffene Heidelandschaften und artenreiche Magerrasen davor, zu Buschlandschaften zu verwildern.

Doch nicht nur die alte Bauernwirtschaft schuf artenreiche Gefilde. Ähnliches bewirkte auch die Megafauna. Allmählich beginnt nun ein Umdenken. Ökologen fordern, dass wilde Großherden künftig vermehrt wieder Reservate gestalten dürfen, auch in Mitteleuropa. Ein Comeback der Megafauna soll den Artenschutz unterstützen und obendrein Touristen anlocken. Großtiere gelten nicht mehr als lebensgefährliche Konkurrenten um Nahrung und Lebensraum, sondern als attraktive Bewahrer der Biodiversität.

Die Deutsche Wildtierstiftung weist darauf hin, dass Rothirsche von jeher Tiere der Offenlandschaft sind. Ohne ständigen Jagddruck äsen sie lieber draußen, als sich im Wald zu verstecken und dort Knospen und Triebe zu fressen. Aber auch heute noch werden Aufforstungen eingezäunt, weil Wildtiere die Jungbäume vernaschen. Immer noch gelte das Rotwild fälschlicherweise als besonders »schlimmer Waldschädling«.