Es gibt also triftige Gründe, gärtnernde Wale und die Meeresdüngung zu erforschen. Smetacek hat in Nature dafür plädiert und einen kotenden Wal abgebildet. Der zieht eine braune Flüssigkeitsspur hinter sich her, an der Wasseroberfläche schäumt ein großer Blasenring – Reste eines Furzes. Nun spotten Kollegen: "Victor, du bist der Einzige, der in Topmagazinen Scheiße publizieren darf." Smetacek möchte mit streng kontrollierten Eisendüngungsexperimenten im Südpolarmeer klären, ob, wo und wie sich die erhoffte Versenkung von CO₂ ökologisch verträglich bewerkstelligen lässt. Je nach Temperatur, Strömungen, örtlichem Nährstoffangebot und vorhandener Biologie sind lokal sehr unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten.

Smetaceks Traum ist es, Blauwalen und Krill zu neuer Blüte zu verhelfen. Und in Teilen des Südpolarmeers ökologisch verträgliche Senken für das Treibhausgas aufzuspüren – marines Gärtnern, nach dem Vorbild der Natur. Zudem könnte man aus Algenkulturen Biosprit gewinnen statt aus Nahrungsmitteln wie Mais, Palmöl oder Zuckerrohr. So würde das Meer einen Beitrag dazu leisten, die ökologische Situation auch auf dem Land zu verbessern.

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