Der Mann, der auf unserem Foto dem amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama die Hand schüttelt, wirkt wie der Filialleiter einer Kleinstadtbank. Er heißt James Hoffa und ist einer der mächtigsten Gewerkschafter der USA.

Hoffa führt die International Brotherhood of Teamsters, mit 1,4 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Arbeitnehmerorganisation im Land. Das Foto erschien erstmals in der Juniausgabe des Teamster, des gewerkschaftseigenen Magazins. In ihm erklärte Hoffa seinen Anhängern, warum die Gewerkschaft Obama bei der Wahl im November unterstützen will. Er habe mehrere offene Gespräche mit dem Kandidaten geführt und sich davon überzeugt, dass ihm der Kampf gegen »unfaire« Freihandelsabkommen und die von ihnen betroffenen »hart arbeitenden Männer und Frauen« ein wirkliches Anliegen sei, schreibt Hoffa.

«Wir stehen hinter ihm«, so der Gewerkschaftschef, »bei seinem Kampf für eine faire Außenhandelspolitik und andere wichtige Fortschritte für Amerikas Arbeiterschaft.«

Barack Obama, Anwalt und Harvard-Absolvent, kämpft gegen den Ruf, elitär zu sein. Hoffas Empfehlung ist deshalb für ihn ein großer Gewinn. Sie könnte ihm dabei helfen, jene Teile der weißen Arbeiterschicht, die seit Ronald Reagans erstem Wahlsieg 1981 zu den Republikanern abgewandert sind, wieder für die Demokraten zu gewinnen. Die Teamster vertreten einen breiten Branchenquerschnitt der amerikanischen Wirtschaft, zu ihren Mitgliedern – überwiegend weiße Männer – zählen Lastwagenfahrer, Hausmeister und Flugzeugmechaniker ebenso wie Parkwächter, Bierbrauer, Gefängniswärter und Angestellte von Beerdigungsinstituten.

Das FBI ermittelt wegen Korruption und Verbindungen zur Mafia

Die Gewerkschaft ist allerdings umstritten. Seit Jahrzehnten werden ihr Korruption und enge Verbindungen zur Unterwelt nachgesagt. Vier ihrer Präsidenten wurden angeklagt oder landeten im Gefängnis. War es also wirklich Obamas lautstarkes Nein zu Handelsverträgen mit Kolumbien und Korea, das ihm das Foto mit James Hoffa einbrachte? Oder war es etwas ganz anderes?

Amerikas Gewerkschaften wünschen sich vom nächsten Präsidenten, dass er es ihnen leichter macht, neue Mitglieder zu organisieren – auch das hat Obama versprochen. Aber die Teamster sind ein besonderer Fall. Seit 1989 stehen sie unter der ständigen Überwachung der Behörden. Der Verdacht mancher Beobachter: Als Gegenleistung für ihre Unterstützung hat der Demokrat in Aussicht gestellt, die Gewerkschaft aus diesem Visier von Justiz und FBI zu nehmen.