Vier Sitzungen braucht Petar Glumac, um Krebs zu heilen. Ohne Medikamente, ohne Chemotherapie und ohne jeden chirurgischen Eingriff. Nur mit seinen bloßen Händen. Zu Hause, in Banatsko Novo Selo in der Vojvodina, nennen ihn die Leute den "Scanner". Denn während Onkologen Röntgenstrahlen oder Magnetresonanztomografie zu Hilfe nehmen müssen, genügen dem 78-jährigen Medizinmann seine Finger. Dort, wo sie plötzlich kalt werden, wenn er mit ihnen über den Körper eines Patienten tastet, dort lauert der Tumor. "Ich heile mit Energie und mit Gebeten", sagt er. "Das ist eine Gabe des heiligen Geistes." Vor 30 Jahren soll die geheimnisvolle Kraft über ihn gekommen sein. Plötzlich hätten Lahme wieder gehen können, nur weil er es ihnen befahl. Wer an diesem Punkt etwas mehr erfahren möchte, der muss zuerst Geld auf sein Belgrader Konto überweisen. Schließlich ist der hagere Mann, den sie Onkel Pera nennen, eine Berühmtheit.

Eine Woche lang glaubten in Wien einige Reporter in dem bärtigen Heiler den ehemaligen bosnischen Serbenführer Radovan Karadžić wiederzuerkennen, der derzeit vor dem internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag steht und sich 13 Jahre lang als Alternativmediziner Dragan Dabić getarnt hatte. Es war aber tatsächlich nur Petar Glumac, der mit seinem weißen Rauschebart, der langen Haartracht und der großen Brille dem falschen "Dr. Drabić" zum Verwechseln ähnlich sieht.

Nenad, der Energetiker, behandelt Asthma über das Telefon

Es ist allerdings kein verrückter Zufall, dass es einen serbischen Wunderheiler nach Wien verschlagen hat. Seit Langem praktizieren die Schamanen vom Balkan nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch in westeuropäischen Städten, wohin sie ihren Anhängern gefolgt sind. Es ist eine verschwiegene Welt, in der es nach Rosenöl, Kaffeesatz und Kräutern riecht. Sie haben ihre esoterische Subkultur sorgfältig vor der Öffentlichkeit abgeschottet. Nur wer auf eine Empfehlung aus diesen Zirkeln verweisen kann, erhält Zutritt. Dort hat das Wort alter Männer und Frauen, die man häufig nur unter ihrem Spitznamen kennt, mehr Gewicht als das jeden Arztes. Tag für Tag finden so auch in Wiener Wohnungen Behandlungen mit Dampfbädern und Salben statt, wird in die Zukunft geblickt und Lebenshilfe erteilt.

"In unserer Mentalität betrachten die Menschen eine Krankheit als Schicksalsschlag", erklärt der kroatische Psychiater Ivica Jelcić, der seit sechs Jahren in Wien praktiziert. Dieses Denken sei noch bei vielen Leuten aus dem ehemaligem Jugoslawien rudimentär vorhanden, vor allem bei jenen, die auf dem Land aufgewachsen sind. Viele wenden sich bei körperlichen Beschwerden an ausgebildete Mediziner, bei psychischen Leiden hingegen häufig nicht. "Das wird als Gottesstrafe gesehen. Oder als etwas, das mit dem Teufel zu tun hat. Und was kann ein Arzt schon gegen den Teufel ausrichten?", sagt Jelcić. Gegen den Höllenfürsten ist jedes Medikament machtlos; ein magisches Amulett jedoch kann Wunder wirken. Das bekommt man aber nur bei einem Experten, der um die Geheimnisse der weißen und schwarzen Magie weiß. Einem weisen Mann, wie es Onkel Pera ist.

"Ich war so erleichtert, als sich herausgestellt hatte, dass Onkel Pera nicht Karadžić war", sagt Janka und blickt zur Decke, als wolle sie ein Stoßgebet zum Himmel schicken. Mehrere Wochen lang übernachtete Onkel Pera bei der 53-jährigen Serbin und deren zwei erwachsenen Kindern in der Märzstraße im 14. Bezirk. Auch bei den Nachbarn wohnte er und in vielen anderen Wohnungen in der Umgebung, manchmal über Monate hinweg. Hier, bei seinen Kunden, nahm der kroatische Serbe Quartier. Fixe Tarife hatte er keine, jeder sollte zahlen, so viel er konnte.

Noch heute, sechs Monate nach seinem letzten Aufenthalt, sprechen die Leute in den Cafés auf der Märzstraße von den Wundern, die er vollbracht haben soll. Auch an Jankas Tochter Marina. Seit fünf Jahren hat der 20-jährige Lehrling Probleme mit den Nieren. Durch die vielen Medikamente sammelte sich Wasser in ihrem Körper. Zuletzt wog die früher zierliche Frau sogar 105 Kilo. Onkel Pera verabreichte ihr Kräutertees und massierte ihren Bauch mit ätherischen Ölen. Marina ging es vorübergehend besser, die Schwellungen gingen wieder zurück. "Es war ein Wunder. So etwas habe ich noch nie erlebt", erzählt Janka. Dabei ist sie beinahe eine Expertin auf dem Gebiet. Schon in der Heimat suchte sie bei Beschwerden Wunderheiler auf. Nenad und Ljudmila heißen bis heute ihre Favoriten. Sie besitzt eine ganze Reihe von Büchern und DVDs des Energetiker-Pärchens, und einmal rief die Witwe, die früher einmal als Stubenmädchen im Hotel Bristol gearbeitet hat, ihren Guru sogar im bosnischen Prnjavor an, um über Telefon ihr Asthma behandeln zu lassen. "Ich sollte mich auf die Couch legen und an nichts denken. Plötzlich habe ich gespürt, wie die Energie vom Kopf bis in die Füße dringt", erzählt sie.