Es stimmt, dass die chinesische Regierung am vergangenen Freitag 1104 Raketen abschießen ließ, die Regenwolken mit Silberjodid impften. Es stimmt auch, dass das Olympiastadion trocken blieb, während es im Umland regnete. Aber ist Ersteres die Ursache für Letzteres?

Diese Behauptung der chinesischen Behörden wurde von vielen Zeitungen unkritisch nachgedruckt. China schwört schon seit Jahrzehnten auf die "Regenmacher" – Flugzeuge, die gezielt Partikel in die Wolken einbringen. Die Idee dahinter: Die Teilchen wirken als Kondensationskeime, es bilden sich Tröpfchen, die schließlich zu Regentropfen anschwellen. Auch in der Sowjetunion wurde das praktiziert, vor allem vor den Militärparaden an hohen Staatsfeiertagen.

Die Regenmacherei ist aber nicht nur ein kommunistisches Verfahren. In den USA und Australien versprechen Firmen den Landwirten Regen, und im Landkreis Rosenheim steigen regelmäßig "Hagelflieger" auf, um statt großer Hagelkörner kleine entstehen zu lassen.

Meteorologen stehen der Sache eher skeptisch gegenüber. Der Fernseh-Wettermann Jörg Kachelmann meint, man solle das Geld, das die Fliegerei kostet, lieber direkt in die Wolken streuen. Das Problem aller wissenschaftlichen Untersuchungen ist, dass das Wetter nicht wiederholbar ist. Die US-amerikanische Akademie der Wissenschaften befand 2003, dass es trotz 30-jähriger Forschung keinen Beweis für die Wirksamkeit des Wolkenimpfens gebe. Zum selben Schluss kam das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das sechs Jahre lang die bayerischen Hagelflieger begleitet hatte: "kein nachweisbarer Effekt".

Die vorläufige Antwort lautet also: Der Mechanismus klingt plausibel, aber das Wettergeschehen ist komplex. Ein wissenschaftlicher Beweis fehlt bis heute. Christoph Drösser

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