Es gibt ein Foto, das mich mit meiner ersten Gitarre zeigt, vor mehr als 50 Jahren, bei einem College-Ball. Mein Haar war lockig, mein Blick sehr ernst, die Gitarre hing mir vor den Knien. Ich hatte sie gekauft, kurz nachdem ich zum ersten Mal Martin Luther King gehört hatte.

Meine Eltern waren Quäker. Jedes Jahr lud die Gemeinde einen Redner ein, in jenem Jahr war es Dr. King. Er sprach von Dingen, die damals jeden Tag passierten: dass man Menschen verweigerte, im Bus mitzufahren, weil sie schwarz waren. Dass andere ohne Grund verhaftet und misshandelt wurden. King war erst 28 Jahre alt, aber seine Ausstrahlung war überwältigend. Ich weinte.

Es gibt einen Unterschied zwischen Idolen und Helden. Ein Idol ist jemand, dessen Anblick einen lähmt. Ein Held ist jemand, der den Leuten hilft, sich zu bewegen. Dr. King wurde mein Held. In den sechziger und siebziger Jahren war ich immer unterwegs, ich habe mir sogar für meine Familie kaum Zeit genommen. Es gibt diesen eigenartigen Konflikt bei vielen Menschen, die sich für das Wohl der Welt einsetzen. Ich konnte vor ein paar Tausend Leuten singen, aber die direkte Begegnung scheute ich. Heute lebe ich mit meinem Sohn, meiner Schwiegertochter und meiner Mutter zusammen, wir sind einander sehr nah. Ich habe ein Baumhaus in meinem Garten, dort schlafe ich oft. Ich sehe die Sterne, ich kann die Hand nach den Vögeln ausstrecken.

Es gibt jüngere Leute, die sagen mir, ich sei ein Vorbild für sie gewesen. Aber auch ich lerne von ihnen. Sie sehen die Welt mit anderen Augen als wir damals in den Sechzigern. Wie bleibt man zeitgemäß? Was hat man heute zu sagen? Der Erste, der einen Hebel fand, war Michael Moore, der Filme über die Realität in den USA drehte. Die Nächste war Cindy Sheehan, die Mutter eines Soldaten, der im Irak getötet wurde. Sie bot dem Präsidenten die Stirn, indem sie vor seinem Haus campierte und fragte: »Warum ist mein Sohn tot?« Danach kam nur noch Obama.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich jemals ernsthaft über einen Kandidaten für irgendein offizielles Amt unterhalte. Ich mag dieses System nicht, in dem jeder nur lügt und betrügt. Aber Obama ist das verbindende Element, das all die Jahre gefehlt hat. Er bewegt die Leute, wie ich es seit Dr. King nicht mehr erlebt habe. Das heißt nicht, dass ich all meine Hoffnungen auf ihn setze. Aber ich bemerke, dass ich lächle, wenn ich ihm zuhöre, und ich sehe Möglichkeiten, die ich bei niemand anderem sehe.

Es kann sein, dass er gewinnt und so wie Jimmy Carter, der auch wunderbare Ideen hatte, im Augenblick seines Amtsantritts sagt, ihm seien die Hände gebunden. Obama ist noch nicht einmal Präsident. Aber er wirkt schon jetzt wie ein Staatsmann. Wir hatten so lange keinen mehr.